Inhaltsverzeichnis

  1. Ist die Herstellung von Solarmodulen umweltschädlich?
  2. Wird eine Photovoltaikanlage im Brandfall gelöscht?
  3. Lohnt sich Photovoltaik nur, wenn die Sonne scheint?
  4. Können alte PV-Module recycelt werden?
  5. Ist Solarstrom teurer als konventioneller Strom?
  6. Macht eine PV-Anlage unabhängig vom Stromnetz?
  7. Machen Solarmodule das Dach undicht?
  8. Funktioniert Photovoltaik auch im Winter?
  9. Ist die Solartechnik wirklich ausgereift?
  10. Reichen die Rohstoffe für den Solarausbau aus?
  11. Fazit: Ist Photovoltaik zukunftsfähig?

Photovoltaik gilt als Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Energiezukunft. Gleichzeitig kursieren viele Mythen über Kosten, Nutzen und Auswirkungen auf die Umwelt. Dabei hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: Nicht nur die Zahl der installierten Anlagen ist stark gestiegen, auch Technik und Regularien haben sich weiterentwickelt.

Zeit also, die 10 bekanntesten Mythen und Irrtümer über Solarenergie sachlich einzuordnen.

1. Ist die Herstellung von Solarmodulen umweltschädlich?

Ja und nein. Auch wenn die Herstellung von Solarmodulen eine gewisse Belastung für die Umwelt bedeutet, gehört Solarenergie dennoch zu den klimafreundlichsten Formen der Stromerzeugung.

Die Produktion, insbesondere die von Siliziumzellen, verbraucht viel Energie. Zudem kommen Rohstoffe wie Aluminium, Silber und verschiedene Chemikalien zum Einsatz. Deren Gewinnung und Verarbeitung sind energieintensiv und belasten die Umwelt unter anderem durch CO2-Emissionen.

Eine Photovoltaikanlage kompensiert diese Belastung jedoch vergleichsweise rasch: Moderne Solarmodule erzeugen bereits innerhalb von 1 bis 3 Jahren die Energiemenge, die für ihre Herstellung benötigt wurde. Da sie anschließend über ihre gesamte Lebensdauer von durchschnittlich 25 Jahren weiter Strom erzeugen, ist ihre Klimabilanz deutlich günstiger als die von fossilen Energieträgern.

2. Wird eine Photovoltaikanlage im Brandfall gelöscht?

Ja. Die Feuerwehr löscht jedes Gebäude, unabhängig davon, was sich darin oder darauf befindet. Bei einem Löscheinsatz steht aber die Sicherheit der Einsatzkräfte an erster Stelle. Dazu gehört der Schutz vor elektrischer Spannung

Für die Feuerwehr ist eine Solaranlage zunächst ein Gerät, an dem eine elektrische Spannung anliegt, wie an anderen Geräten im Haus oder an den Stromleitungen. Diese werden bei einem Einsatz entweder nach Möglichkeit abgeschaltet oder umgangen. 

Grundsätzlich ändert die Existenz einer Solaranlage auf dem Dach nichts am Ablauf eines Feuerwehreinsatzes.

„PV-Anlagen gehören in die Gefahrenkategorie elektrischer Anlagen, nicht mehr und nicht weniger. Eine besondere Gefahr stellen sie insofern nicht dar“, erklärt Dr. Markus Pulm, Brandschutzexperte und Pressesprecher der Feuerwehr Karlsruhe. Das vollständige Interview mit Herrn Pulm über die Strategie von Feuerwehren bei PV-Anlagen ist hier zu finden.

3. Lohnt sich Photovoltaik nur, wenn die Sonne scheint?

Nein, Photovoltaik funktioniert auch ohne direkte Sonneneinstrahlung. Selbst bei bewölktem Himmel, Nebel oder diffusem Licht erzeugen moderne PV-Anlagen Strom.

Die Technik hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt: Leistungsfähige Wechselrichter und optimierte Zelltechnologien sorgen dafür, dass selbst bei geringer Einstrahlung eine Stromproduktion möglich bleibt.

Zudem zeigt die Praxis: Auch im Frühjahr und Herbst liefern Anlagen gute bis sehr gute Ergebnisse. Das liegt daran, dass die Photovoltaik-Module große Hitze nicht mögen und bei Zelltemperaturen um 25 °C den besten Wirkungsgrad aufweisen. Besonders in Kombination mit einem Stromspeicher lässt sich der tagsüber produzierte Strom auch abends oder nachts nutzen – und erhöht damit den Eigenverbrauch.

4. Können alte PV-Module recycelt werden?

Ja, PV-Module können und müssen sogar fachgerecht recycelt werden. Die Wiederverwertungsquote liegt laut Umweltbundesamt bei 92,4 %.

In der EU gelten seit Jahren klare Recyclingvorgaben. Hersteller müssen ausgediente Module zurücknehmen. Glas, Aluminium und Silizium können mit modernen Verfahren zu großen Teilen wiederverwertet werden.

Weitere Komponenten wie der Rahmen, Kabel, Befestigungen und die Solarzellen selbst lassen sich trennen und werden in ihre Bestandteile zerlegt. Dadurch lassen sich alte Solaranlagen nahezu komplett wieder in den Wertstoffkreislauf einbringen.

Mehr zum Thema Recycling und Bestandteile von Solaranlagen lesen Sie in diesem Blogartikel.

5. Ist Solarstrom teurer als konventioneller Strom?

Nein, denn die Gestehungskosten für Strom aus Photovoltaik liegen in Deutschland je nach Anlagengröße zwischen 4,1 und 14,4 ct pro kWh – und damit deutlich unter dem Haushaltsstrompreis. Für viele Haushalte ist selbst erzeugter Solarstrom heute die günstigste Energiequelle.

Zudem gestaltet sich der Vergleich mit konventionellen Strompreisen komplex. Denn Verbrauchende zahlen mit dem Stromtarif nicht nur für die Strombeschaffung und den Vertrieb, sondern auch für Zusatzkosten wie Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen, z. B. für die Förderung der Erneuerbaren Energien. Diese Zusatzkosten machen knapp 2 Drittel des Strompreises aus.

Aktuelle Stromgestehungskosten (2024):

  • Photovoltaik (Kleinanlagen): 6,3 – 14,4 ct/kWh
  • Photovoltaik (Dachanlage): 5,7 – 12 ct/kWh
  • Photovoltaik (Freifläche): 4,1 – 6,9 ct/kWh
  • Windkraft Onshore: 4,3 – 9,2 ct/kWh
  • Windkraft Offshore: 5,5 – 10,3 ct/kWh
  • Biogas: 20,1 – 32,5 ct/kWh
  • Biomasse: 11,5 – 23,5 ct/kWh
  • flexible Gaskraftwerke: 15,4 – 32,6 ct/kWh
  • Kohle: 15,1 – 29,3 ct/kWh
  • Kernenergie (international): 13,6 – 49 ct/kWh

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, 2024)

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6. Macht eine PV-Anlage unabhängig vom Stromnetz?

Bis zu einem gewissen Punkt ja. Eine Photovoltaikanlage kann den Strombedarf zu großen Teilen decken. Ganz ohne Netzanschluss funktioniert sie aber nicht, gerade zu Spitzenzeiten und bei sogenannten Dunkelflauten ist eine Versorgung über das Stromnetz notwendig. Mit einem Speicher lässt sich der Eigenverbrauch deutlich steigern und die Unabhängigkeit erhöhen.

So wirtschaftlich ist eine PV-Anlage mit Stromspeicher.

Solarenergie hat großes Potenzial: Bereits heute decken PV-Anlagen etwa 18 % des deutschen Stromverbrauchs.

Das theoretische Potenzial für Deutschland:

  • Jährlicher Stromverbrauch: rund 530 TWh (2025)
  • Ertrag pro m² Solarmodul (jährlich): ca. 200 kWh
  • Benötigte Modulfläche für Gesamtbedarf: ca. 2.650 km²
  • Das entspricht ca. 0,74 % der Landesfläche Deutschlands
  • Zum Vergleich: Das Saarland hat eine Fläche von rund 2.570 km²

Rein rechnerisch ließe sich also der gesamte Strombedarf Deutschlands durch PV decken. Technisch umsetzbar wäre das etwa, wenn 5 % der heute bereits bebauten Flächen mit PV-Modulen ausgestattet würden.

Grafik Zubau von PV-Anlagen in Deutschland
Der jährliche Zubau von neuen Photovoltaik-Anlagen in Deutschland zwischen 2005 und 2025.

7. Machen Solarmodule das Dach undicht?

Nein. Ein professionell montiertes PV-System beeinträchtigt die Dichtigkeit des Daches nicht. Im Gegenteil: Die Module schützen die darunterliegende Dachfläche sogar vor Witterungseinflüssen wie Regen, Schnee oder UV-Strahlung.

Wichtig ist jedoch eine fachgerechte Befestigung: Die Montage erfolgt über speziell entwickelte Schienensysteme, die an den Dachsparren oder Dachhaken befestigt werden. Dabei bleibt die Dachhaut intakt oder wird an den Befestigungspunkten professionell abgedichtet.

Erfahrene Fachfirmen berücksichtigen zudem die örtlichen Gegebenheiten wie Dachneigung, Eindeckung und Windlastzonen.

Auch für Flachdächer gibt es erprobte Lösungen mit ballastierten Systemen, die ganz ohne Durchdringung des Daches auskommen.

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8. Funktioniert Photovoltaik auch im Winter?

Ja, auch bei bedecktem Himmel, Schneefall und niedrigen Temperaturen produzieren PV-Module Strom. Kalte Module arbeiten sogar effizienter als heiße. Dennoch fällt der Ertrag durch wenige Sonnenstunden und tiefen Sonnenstand im Winter natürlich deutlich geringer aus als im Sommer. Nimmt man die Daten zur Globalstrahlung des Deutschen Wetterdienstes als Grundlage, so ergibt sich ein im Schnitt achtfach höherer PV-Ertrag im Sommer im Vergleich zum Winter.

Selbst im Winter kann eine PV-Anlage also Strom erzeugen – wenn auch in geringerem Umfang.

9. Ist die Solartechnik wirklich ausgereift?

Ja. Photovoltaik ist weltweit eine der am stärksten verbreiteten Energietechnologien. Die Technik ist ausgereift und praxiserprobt, die Produktion standardisiert, die Qualitätskontrollen sind hoch. Module mit 25 Jahren Leistungsgarantie sind heute der Standard.

Auch die Wirkungsgrade haben sich deutlich verbessert: Hochleistungsmodule erreichen heute über 20 % Wirkungsgrad, 2015 lag dieser noch bei 15 %.

10. Reichen die Rohstoffe für den Solarausbau aus?

Ja. Silizium, das wichtigste Material für Solarmodule, ist eines der häufigsten Elemente der Erdkruste. Auch andere Materialien wie Aluminium oder Kupfer sind global in großen Mengen verfügbar. Der Bedarf an kritischeren Rohstoffen – wie etwa Silber – wird zunehmend durch effizientere Nutzung oder Ersatzstoffe reduziert. Künftige PV-Generationen setzen zudem auf materialeffizientere Designs. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht deshalb keine Engpässe für einen globalen Solarausbau – auch nicht langfristig.

Ein Gedankenspiel zur Veranschaulichung: Würde man sämtliche abbaufähigen Silizium-Rohstoffe der Welt für die Produktion von PV-Anlagen nutzen, könnte man rund 5 bis 6 Milliarden Solarmodule bauen. Genug, um ca. 2,8 Milliarden Haushalte mit Strom zu versorgen.

Fazit: Ist Photovoltaik zukunftsfähig?

Ja, Photovoltaik ist absolut zukunftsfähig. Die Entwicklung der Photovoltaik schreitet seit Jahren voran – technisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Was früher als Nischentechnologie galt, ist heute eine tragende Säule der Stromversorgung – weltweit.

Photovoltaikanlagen lassen sich effizient planen, wirtschaftlich betreiben und umweltfreundlich recyceln. Der Aufwand ist gering: Viele Anbieter liefern Komplettsysteme, bei denen Modul, Wechselrichter, Speicher mittels eines Energiemanagementsystems optimal aufeinander abgestimmt sind.

Bedenken wegen Leistungsfähigkeit, Haltbarkeit oder Umweltbilanz von Solaranlagen sind inzwischen durch Studien und Praxiserfahrung entkräftet. Wer neu baut oder saniert, sollte die Solarenergie daher fest in die eigene Energiezukunft einplanen.

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  • Norbert Röger sagt:

    Bei uns in 74676 Niedernhall gibt es viele sinnvolle Möglichkeiten Solar Anlagen zu installieren. Weingärtner haben ihre Weinberge brach gelegt weil sich der Weinbau nicht mehr lohnt. Parkplätze könnten solar überdacht werden. Industriefirmen könnten auf ihren Dächern Solarmodule installieren, anstatt gerne begünstigten Strom zu verbrauchen. Z.B. Fa PVS. Des weiteren wird viel Strom verwendet um Prozesswärme zu vernichten. Statt dessen könnte man benachbarte Schulen und Bäder damit beheizen. Genehmigungsbehörden sollten darauf ein genaueres Auge haben.

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