Haus mit Solaranlage

Solar­anlage brand­gefährlich? Was die Feuer­wehr rät…

Solaranlagen sind aus Sicht des Brandschutzes nicht gefährlicher als elektrische Anlagen generell. Und Photovoltaik auf dem Dach eines Hauses behindert die Feuerwehr nicht wesentlich, wenn diese ihrem Löschauftrag nachkommen muss. Das ist das Fazit eines Interviews mit dem Karlsruher Brandschutzexperten Dr. Markus Pulm.

In der Öffentlichkeit wird immer wieder die Frage diskutiert, was eigentlich passiert, wenn ein Haus, auf dem sich eine Photovoltaik-Anlage befindet, in Brand gerät. So mancher Zeitgenosse ist sogar überzeugt, dass die Feuerwehr in dem Fall das Haus nicht löscht, sondern abbrennen lässt. Wir haben darüber mit Dr. Markus Pulm gesprochen, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Karlsruhe und zudem Autor vieler Fach- und Lehrbücher zum Thema Brandschutz.

Die Feuerwehr löscht immer

natürlichZukunft: Herr Pulm, im Internet kann man immer wieder lesen, dass die Feuerwehr Häuser, die mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet ist, nicht löscht, sondern kontrolliert abbrennen lässt. Was ist von solchen Gerüchten zu halten?

Markus Pulm Feuerwehr Karlsruhe
Markus Pulm Feuerwehr Karlsruhe

Dr. Markus Pulm: Gar nichts, das ist komplett falsch. Wir als Feuerwehr sind eine Gefahrenabwehrbehörde. Wir wehren Gefahren ab und achten dabei natürlich auf unseren Eigenschutz. Wenn man die Gefahren eines Einsatzes für Feuerwehrleute abwägt, dann spielt unter anderem die Elektrizität in einem Gebäude eine wichtige Rolle. Was ich damit sagen will: Elektrizität in Häusern und die Beschäftigung mit deren Risiken im Falle eines Löscheinsatzes gibt es schon wesentlich länger, als es Solaranlagen gibt. Von daher ist das Thema für uns nicht wirklich etwas Neues.

Wenn es brennt und die Feuerwehr kommt, ist diese zunächst bestrebt, das Gebäude stromlos zu schalten, also die Sicherung zu betätigen. Nun ist es bei Solaranlagen so, dass diese auch dann weiter Strom produzieren, wenn die Sicherung ausgeschaltet ist, angenommen es handelt sich um einen Einsatz am Tag. Das bedeutet, dass zum einen die Anlage selbst und die Kabel zu den Wechselrichtern, die Wechselrichter selbst sowie die Leitung ins Stromnetz unter Spannung stehen. Diese Anlagen stellen dann eine Gefahr für die Einsatzkräfte dar, wenn zum Beispiel die Kabel durch die Wärmeeinwirkung des Brandes abisoliert werden. Da können hohe Stromspannungen auftreten, die akut lebensbedrohlich sind. Es gibt bei PV-Anlagen zwar spezielle Risiken für die Einsatzkräfte, aber es gibt nichts, was nicht beherrschbar wäre. Die Einsatzleitung muss diese Gefahren berücksichtigen.

Worauf sollte man als Hausbesitzer achten?

natürlichZukunft: Was können denn Hausbesitzer von sich aus unternehmen, um im Falle eines Brandes das Beste für die Feuerwehr zu tun?

Dr. Markus Pulm: Meistens gehen die Einsatzkräfte im Brandfall sofort in das Gebäude, ohne vorher zu prüfen, ob sich PV auf dem Dach befindet oder nicht. Ist ja auch oft nicht relevant, zum Beispiel bei einem Wohnungsbrand im 2. OG. Weil die stromführenden Leitungen der Anlage nicht durch die Wohnung geführt sind, spielt es keine Rolle, ob eine PV-Anlage auf dem Dach ist oder nicht. Für die Einsatzkräfte ist es oft auch schwer, überhaupt festzustellen, ob sich eine PV-Anlage auf dem Dach befindet, zum Beispiel bei hohen Häusern. Daher wären Informationen an die Einsatzleitung, dass hier eine Solaranlage betrieben wird, wo sie sich befindet, wo die Kabelverbindung zwischen Modulen und Wechselrichter verläuft und wo diese zu finden sind, sehr hilfreich, um die Risiken für die Einsatzkräfte zu reduzieren. Eine einfache Information genügt, um eine bessere Einschätzung der Lage und der sich daraus ergebenden, drohenden Gefahren zu ermöglichen. Ob PV vorhanden ist, ist inzwischen immer Teil der Erkundung, wenn die Einsatzkräfte am Brandort ankommen. Auch bei vorhandener PV-Anlage geht die Feuerwehr in der Regel vor, um zu retten, was zu retten ist. Selbstverständlich unter Beachtung aller Risiken, die aber bei Solaranlagen in der Regel nicht außerordentlich höher sind.

natürlichZukunft: Was können Hausbesitzer vielleicht von sich aus rein technisch tun, um die Gefahren für die Einsatzkräfte im Brandfall zu minimieren?

Dr. Markus Pulm: Man könnte einiges tun, zum Beispiel die Anlage so einrichten lassen, dass sich die Module im Brandfall voneinander trennen lassen. Die von einem einzelnen Modul erzeugte Spannung ist ja nicht gefährlich. Die gefährliche Spannung entsteht durch die Zusammenschaltung mehrerer Module. Aber das ist teuer und Aufwand und Ergebnis stehen nicht unbedingt in einem günstigen Verhältnis. Ich habe selbst bei meinem Einfamilienhaus eine PV-Anlage installieren lassen. Dabei habe ich auf ein paar Dinge geachtet, die kaum Mehrkosten verursacht haben. Zum einen verfügt mein Wechselrichter über den vorgeschriebenen Trennschalter. Bedeutet: Wenn es zum Einsatz kommt, kann man den Trennschalter betätigen, sodass in den Leitungen hinter dem Wechselrichter kein Strom mehr fließt. Außerdem habe ich die Wechselrichter im Keller an die Außenwand montieren lassen. Das Kabel von den Modulen auf dem Dach zu den Wechselrichtern habe ich dann außen an der Fassade anbringen lassen. Im Einsatzfall kann man den Feuerwehrleuten sagen: Zieht den Trennschalter am Wechselrichter und achtet auf das Kabel da an der Außenwand. Das war mit wenig Mehraufwand realisierbar und hat ein etwaiges Risiko im Brandfall nochmals reduziert.

PV-Anlagen besonders brandgefährdet? Nein!

natürlichZukunft: Stellen PV-Anlagen selbst eigentlich eine besondere Brandgefahr dar? Es gibt da ja immer wieder etwas sensationsheischende Berichte, die man schlecht einordnen kann.

Dr. Markus Pulm: Alle elektrischen Anlagen stellen eine allgemeine Brandgefahr dar. Auch PV-Anlagen, in denen ja Sonnenenergie in elektrische Energie umgewandelt wird, gehören dazu. Einfach aus der Tatsache heraus, dass sie technisch das tun, was sie sollen: Viel Energie verarbeiten. PV-Anlagen gehören in die Gefahrenkategorie elektrischer Anlagen, nicht mehr und nicht weniger. Eine besondere Gefahr stellen sie insofern nicht dar.

„PV-Anlagen gehören in die Gefahrenkategorie elektrischer Anlagen, nicht mehr und nicht weniger. Eine besondere Gefahr stellen sie insofern nicht dar.“

Dr. Markus Pulm

natürlichZukunft: Was würden Sie Eigentümern raten, die eine PV-Anlage haben und sich um die Brandgefahr sorgen?

Dr. Markus Pulm: Eine regelmäßige Wartung ist sicherlich hilfreich, um Risiken zum Beispiel durch lockere Kabelverbindungen zu reduzieren. Ich würde aber vor allem raten, die Anlage in die Gebäudepflichtversicherung aufnehmen zu lassen. Zum einen ist dann die Anlage selbst, die ja einiges an Wert hat, versichert. Zum anderen gibt es kein Problem, wenn der Brandschaden von der Anlage selbst ausgegangen ist. Ansonsten würde ich sagen: Besondere Sorgen muss sich kein Besitzer einer Solaranlage machen.

Stromspeicher? Kein Problem!

natürlichZukunft: Inzwischen haben ja viele Solarbetreiber auch einen Stromspeicher im Keller. Wie geht die Feuerwehr damit im Brandfall um?

Dr. Markus Pulm: Diese Speicher bestehen aus Lithium-Ionen-Akkus, von denen Risiken ausgehen können, die ebenfalls bei einem Brand zu berücksichtigen sind. Auch ein solcher Speicher stellt wie jedes Elektrogerät eine potenzielle Brandursache dar und kann umgekehrt bei einem Brandfall in dem entsprechenden Raum in das Geschehen eingebunden werden. Das Risiko, das von einem solchen Speicher ausgeht, ist aber ebenfalls überschaubar, so dass ein solcher Speicher im Brandfall zwar als eine potenzielle Gefahrenquelle zu berücksichtigen ist, umgekehrt aber keinen Grund darstellt, grundsätzlich von einem Löschangriff abzusehen.

Herr Dr. Pulm, vielen Dank für das Gespräch.

Links

Website von Dr. Markus Pulm: www.markus-pulm.de
Informationen des Feuerwehrverbandes zum Löscheinsatz an Photovoltaikanlagen auf www.feuerwehrverband.de
Download der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie: Brandschutzgerechte Planung, Errichtung und Instandhaltung von PV-Anlagen

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