Junge mit Facepalm vor Solaranlage

10 Irr­tümer über Solar­energie

In der Öffentlichkeit halten sich hartnäckig einige Irrtümer und Vorurteile über die Solarenergie. Wir haben uns die 10 meistgenannten einmal vorgenommen und möchten sie faktenbasiert ausräumen. Denn die berechtigte Diskussion über die Energiewende ist wichtig, muss aber sachlich geführt werden.

In Deutschland erzeugen fast zwei Millionen Photovoltaikanlagen zuverlässig Strom. Etwa 10 % tragen sie zur Versorgung mit elektrischer Energie bei, an manchen Tagen sind es aber auch schon mal 60 %. Die Technologie scheint also wie geplant zu funktionieren. Trotzdem halten sich über die Solarenergie in der Öffentlichkeit hartnäckig eine ganze Reihe technischer Irrtümer, grober Missverständnisse und nicht überprüfter Gerüchte. 10 derartiger Aussagen möchten wir an dieser Stelle einmal überprüfen und richtigstellen.

1. Absurde Klimabilanz: Die Herstellung von Solarmodulen verursacht so viel CO2-Emissionen, dass deren regenerative Stromerzeugung das gar nicht ersetzen kann.

Würde diese Aussage stimmen, würde also bei der Produktion von PV-Anlagen mehr Energie verbraucht, als die Anlagen später erzeugen. Wissenschaftliche Studien zu diesem so genannten „Erntefaktor“ kommen zu einem eindeutig gegenteiligen Ergebnis. Tatsächlich beträgt der Erntefaktor bei Solaranlagen 9 bis 10. Das bedeutet: Solaranlagen produzieren etwa zehnmal so viel Energie, wie für ihre Herstellung benötigt wird. Umgerechnet auf eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren ist eine Solaranlage also nach etwa eineinhalb bis zwei Jahren Jahren CO2-frei. Diese Werte können sich weiter verbessern, wenn immer größere Teile der industriellen Produktion von Solaranlagen ihrerseits mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

2. Feuer unter dem Dach: Wenn mein Haus brennt, wird es nicht gelöscht, falls sich darauf eine Photovoltaikanlage befindet.

Diese Aussage ist falsch. Die Feuerwehr löscht jedes Gebäude, unabhängig davon, was sich darin oder darauf befindet. Bei einem Löscheinsatz steht aber die Sicherheit der Einsatzkräfte an vorderster Stelle. Dazu gehört der Schutz vor elektrischer Spannung. Für die Feuerwehr ist eine Solaranlage zunächst ein Gerät, an dem eine elektrische Spannung anliegt, wie an anderen Geräten in dem Haus oder an den Stromleitungen. Diese werden bei einem Einsatz entweder nach Möglichkeit abgeschaltet oder umgangen. Grundsätzlich ändert die Existenz einer Solaranlage auf dem Dach nichts am Ablauf eines Feuerwehreinsatzes. „PV-Anlagen gehören in die Gefahrenkategorie elektrischer Anlagen, nicht mehr und nicht weniger. Eine besondere Gefahr stellen sie insofern nicht dar,“ erklärt Dr. Markus Pulm, Brandschutzexperte und Pressesprecher der Feuerwehr Karlsruhe. Das vollständige Interview mit Herrn Pulm über die Strategie von Feuerwehren bei PV-Anlagen ist hier zu finden.

3. Müllproblem: Man kann Solarmodule nicht recyceln.

Das ist nicht korrekt. Vielmehr schreibt der Staat seit Jahren vor, dass Solarmodule einem geordneten Recycling zugeführt werden müssen. Dieses Recycling ist keine besonders große Herausforderung, weil die Module zum größten Teil aus Glas bestehen. Weitere Komponenten wie der Rahmen, Kabel, Befestigungen und die Solarzellen lassen sich trennen und werden in ihre Bestandteile zerlegt. Dadurch lassen sich alte Solaranlagen nahezu komplett dem Wertstoffkreislauf zuführen. Mehr zum Thema Recycling und Bestandteile von Solaranlagen lesen Sie in diesem Blogartikel.

Fakten zur Photovoltaik

2020 sind in Deutschland mehr als 1,7 Mio PV-Anlagen, mit einer Leistung von 49,5 Gigawatt installiert.

In Deutschland entstanden seit 2010  fast 50.000 neue Arbeitsplätze in der PV-Branche.

Photovoltaik verzeichnet in vielen Ländern der Welt ein jährliches Wachstum von gut 30 %.

In 10 Jahren spart eine Anlage zur Gewinnung von Solarenergie pro kWp ca. 5 Tonnen CO2 ein. Außerdem spart die Solartechnik den Transport von fossilen Brennstoffen wie (Öl oder Kohle). Der Transport verursacht nämlich ebenfalls CO2 durch Autos, Bahn und Schiffe. (1)

4. Die Kosten laufen aus dem Ruder: Solarstrom ist viel teurer als Strom aus konventioneller Erzeugung (Kohl, Gas, Kernenergie).

Das Thema Strompreise ist kompliziert, denn hier spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Die Kosten für die eigentliche Stromerzeugung sind dabei nur ein Teil der Kosten (24 %). Denn mit dem Stromtarif zahlen Verbraucher gleichzeitig eine Reihe anderer Positionen: Netzentgelte für das Stromnetz (20 %), Steuern und Abgaben (30 %), die Umlage für die Förderung der Erneuerbaren Energien (22 %) usw. (2) 

Wenn man nur die Kosten für die Stromerzeugung mit konventionellen Technologien einerseits und mit Solarenergie andererseits vergleicht, dann schneidet der Solarstrom inzwischen sehr gut ab – auch in Deutschland. Problem ist allerdings bei den konventionellen Energieträgern, dass die wirklichen Folgekosten ihrer Nutzung nur zum Teil einbezogen werden (können). Man denke zum Beispiel an die enormen Kosten, die die Kernenergie in den nächsten Jahrzehnten noch verursachen wird. Eine rein betriebswirtschaftliche Betrachtungsweise der Kosten (Gestehungskosten), also ohne die unkalkulierbaren Folgekosten, liefert folgende Zahlen (3):

  • Atom: 3,6 – 8 ct/kWh
  • Kohle: 3 – 11 ct/kWh
  • Gas: 7 – 10 ct/kWh
  • Solar: 4 – 8 ct/kWh
  • Windkraft 4 – 14 ct/kWh

Fazit: Solarstrom lässt sich in unseren Breitengraden zu Preisen erzeugen, die absolut konkurrenzfähig sind – auch ohne Subventionen. Grund: Die Solartechnologie entwickelt sich immer weiter und bringt immer leistungsfähigere Solarmodule mit höheren Erträgen hervor. Außerdem ermöglicht die Massenfertigung erhebliche Kostenvorteile. Damit ist die Photovoltaik heute ein lohnendes Geschäft. Inzwischen entstehen große Solaranlagen ganz ohne staatliche Zuschüsse – zum Beispiel von der EnBW in Brandenburg, die sich innerhalb von 10 Jahren amortisieren.

5. Die Welt/Europa/Deutschland kann nicht genügend Solarenergie erzeugen, um damit die Stromversorgung sicherzustellen.

Diese Aussage ist falsch. Die Menge der Energie, die von der Sonne auf unseren Planeten einprasselt, ist gigantisch. Schon jetzt decken Solaranlagen etwa 10 % des deutschen Strombedarfs. An besonders sonnigen Tagen kann dieser Wert werktags schon mal auf 45 % steigen, am Wochenende sogar auf über 60 %. 

Die für Deutschland theoretisch benötigte Fläche lässt sich auch relativ einfach kalkulieren: 

  • Der Stromverbrauch Deutschland beträgt pro Jahr etwa 600 Terawattstunden (TWh). Das entspricht 600.000.000.000 kWh
  • 1 qm Solarmodul erzeugt in Deutschland sehr grob kalkuliert etwa 250 kWh pro Jahr.
  • Man benötigt also rein rechnerisch 2,4 Mrd qm Solaranlagen für die Strommenge. Das entspricht umgerechnet einer Fläche von 2.400 qkm.
  • Zum Vergleich: Das Saarland hat eine Fläche von 2.571 qkm, Deutschland insgesamt 357.386 qkm. 
  • Man müsste also etwa 0,7 % der Fläche Deutschlands mit Solaranlagen ausstatten, um diese Strommenge zu erzeugen. Ob das technologisch sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber unmöglich ist es nicht. Sind doch 13 % der Fläche Deutschlands bereits mit Gebäuden oder verkehrlichen Anlagen bebaut. Wenn man also nur 5 % der bebauten Fläche in Deutschland mit Solaranlagen ausstatten würde, könnte man damit den gesamten Strombedarf decken.
Infoigrafik Ausbau Photovoltaik Deutschland 2001 bis 2019
Infografik: Entwicklung des Ausbaus der Photovoltaik und des Anteils von Solarstrom am Stromverbrauch in Deutschland von 2001 bis 2019

6. Solarmodule verschmutzen und müssen aufwändig gereinigt werden, um die Leistung aufrecht zu erhalten.

Die allermeisten Anlagen verstauben zwar, werden aber in Deutschland vom Wind oder einfach vom nächsten Regen gereinigt. Probleme mit der Verschmutzung ergeben sich daher fast nur bei Anlagen mit einem sehr flachen Aufbauwinkel bzw. bei Anlagen in der Nähe von massivem Laubabwurf oder von enormen Staubquellen.

7. Solarmodule verlieren schnell ihre volle Leistungsfähigkeit, weil die Module dem Prozess der Degradation unterliegen.

Ja, dieser Prozess findet statt, aber er ist sehr langsam und seine Auswirkungen sind gering. Aktuelle Untersuchungen gehen von einem jährlichen Leistungsverlust von 0,1 % aus. Die Hersteller selbst garantieren eine Leistung von mindestens 80 % innerhalb von 20 oder sogar 30 Jahren. Alles deutet daraufhin, dass dieser Wert sehr konservativ gerechnet ist. Die Degradation als natürlicher Alterungsprozess ist also weit weniger problematisch als bisher angenommen.

8. Solarenergie gibt es nur im Sommer bei wolkenlosem Himmel.

Das ist nicht korrekt. Solarmodule erzeugen auch Strom, wenn Wolken die direkte Strahlung abschirmen. Es dringen immer noch Teile der so genannten Globalstrahlung durch. Deshalb erzeugen auch Module in Nordausrichtung Strom. Übrigens: Die Globalstrahlung beträgt in Deutschland 1000 bis 1300 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Besonders in Süddeutschland aber auch im Nordosten ist die Menge der einstrahlenden Sonnenenergie am höchsten. (4)

9. Solaranlagen auf dem eigenen Haus sind unnötig, weil sie nur mittags Strom produzieren, wenn man nicht Zuhause ist.

Strom aus Solarenergie ist immer sinnvoll. Wenn man ihn nicht selbst verbrauchen kann, wird er in das öffentliche Netz eingespeist. Effizienter ist es natürlich, wenn der Strom gleich vor Ort verbraucht wird. Das spart Kosten für die Netzinfrastruktur. Um bei Abwesenheit die zeitliche Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch so gut wie möglich zu schließen, kann man den Strom in einem Stromspeicher vorhalten. Ob sich eine Investition in einen eigenen Solarakku auch lohnt, haben wir in diesem Artikel im Blog aufgeklärt.

10. Solarenergie kann keine Zukunft haben, weil die Rohstoffe, die man für die Herstellung von Solarmodulen benötigt, nicht ausreichen.

Bei den zwei aktuell genutzten Technologien zur Herstellung von Solarmodulen – waferbasiert bzw. Dünnschicht – sind keine Rohstoffengpässe absehbar. So bestehen z.B. 26 % der Erdkruste aus dem zentralen Rohstoff von Solarmodulen, dem Silizium. Auch für das in kleineren Mengen verwendete Aluminium oder Silber sind keine Engpässe zu erwarten. 2015 verbrauchte die Solarindustrie 5 % der weltweiten Fördermenge von Silber. Außerdem können sie auch durch andere Rohstoffe ersetzt werden, Silber z.B. durch Kupfer.

Fakten, Fakten, Fakten  – und immer an das Klima denken!

Die Energiewende und damit der Umbau der Stromversorgung auf Solarenergie bzw. Wind- oder Wasserkraft ist für alle Beteiligten ein großer Kraftakt – wirtschaftlich aber auch gesellschaftlich. Einige Dinge ändern sich nicht – z.B. kommt der Strom weiter aus der Steckdose – aber andere ändern sich stark. So wird die Erzeugung von Energie nun in der Öffentlichkeit sichtbar, als Solaranlagen auf Hausdächern oder als Windräder am Horizont. Aktuell wird massiv in diese Umwandlung des Energiesystems investiert, weshalb alle etwas mehr bezahlen müssen. Erste Lichtblicke am Ende des Tunnels sind bereits gut sichtbar, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. So hätte noch vor 15 Jahren kaum einer gedacht, dass sich in unseren Breiten Strom aus Solaranlagen zu einer Hauptstütze der Energieproduktion entwickeln wird und PV-Parks bereits komplett ohne Subventionen errichtetet werden können. Trotzdem werden immer noch Argumente in die Diskussion eingebracht, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Das ist angesichts der großen und unabdingbaren Aufgabe des Klimaschutzes kein gangbarer Weg. Die Diskussion muss faktenbasiert versachlicht werden, um verständliche Bedenken ernsthaft abzuwägen. Gerüchte und Falschmeldungen sind dabei kontraproduktiv.

Belege
(1) 1,7 Mio PV: strom-report.de/photovoltaik
50.000 Arbeitsplätze & 30% Wachstum: Fraunhofer ISE, Fakten PV
CO2-Bilanz: solaranlagen-portal.de
(2) Information der Bundesnetzagentur über die Zusammensetzung der Strompreise (Stand 1. April 2019)
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Stromgestehungskosten
Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fraunhofer ISE, Download von www.pv-fakten.de, Fassung vom 14.10.2019
(4) Karte der auf Deutschland einwirkenden, regional unterschiedlichen Gobalstrahlung

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