Grafik EWärmeG: Haus mit Energieeffizienzrate

Heizungs­sanierung: So er­füllen Sie das EWärmeGesetz BW

Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz Baden-Württemberg (EWärmeG BW) betrifft fast alle Heizungssanierungen und wurde 2015 entscheidend refomiert. Wir stellen die wichtigsten Punkte und Erfüllungsoptionen vor.

Ein Viertel der klimaschädlichen CO2-Emissionen in Baden-Württemberg werden durch Heizungsanlagen verursacht. Diesen Wert will die Landesregierung bis zum Jahr 2020 um 25% und bis 2050 um 90% verringern. Um diese Ziele zu erreichen, hat der Landtag Baden-Württemberg im November 2007 das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) verabschiedet. Darin werden Immobilienbesitzer, die eine neue Heizungsanlage für ein bestehendes Gebäude anschaffen, verpflichtet, ab sofort erneuerbare Energieträger zu nutzen oder die Menge der benötigten Wärmeenergie zu verringern. Der Anteil der Erneuerbaren sollte bei neuen Heizungen in Bestandsgebäuden mindestens 10% betragen. Im Jahr 2015  wurde das EWärmeG reformiert und der Anteil der verpflichtend zu nutzenden Erneuerbaren auf 15% erhöht. Diese Erhöhung hat, wie wir sehen werden, erhebliche Auswirkungen und für viele Immobilienbesitzer die Entscheidung über eine neue Heizung nicht vereinfacht. Wir informieren über die Details des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes Baden-Württemberg und welche Erfüllungsoptionen sich Hausbesitzern nun bieten, um das Gesetz zu erfüllen. 

Der Geltungsbereich des EWärmeG

Das Gesetz gilt im Land Baden-Württemberg, wenn eine alte Heizung in einem bestehenden Gebäude (Baujahr vor 2009) durch eine neue Anlage ersetzt werden soll. Heizungsanlagen in neu zu bauenden Häusern fallen nicht darunter, denn dafür gelten entsprechende Gesetze des Bundes, die ebenfalls den Einsatz erneuerbarer Energieträger vorschreiben. Bei den Gebäuden vor 2009 spielt es keine Rolle, ob es sich um Wohngebäude oder gewerblich genutzte Nichtwohngebäude handelt. Allerdings gibt es einige Ausnahmen, bei denen das EWärmeG nicht angewendet werden muss, zum Beispiel bei Gebäuden kleiner als 50 qm, bei nur vier Monate im Jahr genutzten Ferienanlagen, bei unterirdischen Bauten oder Tierställen. Und natürlich sind Gebäude ausgenommen, die über das Fernwärmenetz mit Wärmeenergie versorgt werden, denn da hat der Nutzer ja keinen Einfluss, wie die Wärme erzeugt wird. Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine Befreiung möglich. Man will die alte Bausubstanz erhalten.

Existierende Heizungsanlagen genießen generell Bestandsschutz. Niemand ist verpflichtet, seine Heizungsanlage auf Grund des Gesetzes auszutauschen. Bei vermieteten Objekten muss die Heizung nach 30 Jahren allerdings erneuert werden. Hier greift zusätzlich die Energieeinsparverordnung (ENEV). Das Gesetz gilt also ausschließlich für neue Heizungen, die alte Heizungsanlagen ersetzen. Aus welchen Gründen sich Immobilienbesitzer zu dieser umweltfreundlichen Maßnahme entschließen, spielt ebenfalls keine Rolle. Meistens sind es technische Probleme mit der alten Anlage oder fehlende Ersatzteile, die einen Austausch erforderlich machen. 

Heizungssanierung: Die 15-Prozent-Regel des EWärmeG und ihre Folgen

Das Ziel der Reform des EWärmeG BW von 2015 besteht darin, den CO2-Ausstoß neuer Heizungsanlagen in Bestandsgebäuden um 15% senken. Das Gesetz formuliert es so: „Beim Austausch oder dem nachträglichen Einbau einer Heizanlage sind die Eigentümer der versorgten Gebäude verpflichtet, mindestens 15 Prozent des jährlichen Wärmeenergiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken oder den Wärmeenergiebedarf um mindestens 15 Prozent zu reduzieren.“

Das Gesetz sieht also zwei Wege vor, die 15%-Reduktion zu erreichen: Entweder durch den zukünftigen Einsatz von erneuerbaren Brennstoffen oder durch eine Veränderung des Gebäudes, sodass weniger Heizenergie verbraucht werden muss. Das kann zum Beispiel durch verbesserte Dämmung erreicht werden. Beide Ansätze können kombiniert werden. 

Als erneuerbare Energien gelten solare Strahlungsenergie, Geothermie, Umweltwärme sowie „feste, flüssige und gasförmige Biomasse“. Mit letzterem sind Energieträger wie Holzpellets und natürlich Biogas gemeint. Vor der Novellierung des Gesetzes war es ausreichend, sich zur ausschließlichen Nutzung von Biogas zu verpflichten, um die neue Gasheizung zu betreiben. Die bis dahin geltende 10%-Regel wurde damit erfüllt. Dieses wurde mit der Reform geändert. Nun zahlt der Einsatz von Biogas nur noch zu zwei Dritteln auf das Reduktionsziel ein. Diese Beschränkung begründet sich in dem Umstand, dass Biogas in der Regel nur einen Anteil von 10% Biomethan enthält. Nur dieses Biomethan wird aus erneuerbarer Biomasse wie Grünschnitt, Biomüll oder Energiepflanzen erzeugt, wie es das Gesetz vorschreibt. Damit ist klar: Nur auf Biogas umzustellen, reicht nicht mehr aus, um die 15-Prozent-Regel zu erfüllen. Das Gesetz sieht daher so genannte Ersatzmaßnahmen vor, die die restlichen 5% bei der Verringerung der CO2-Emission einsparen.

Ersatzmaßnahmen im Sanierungsfahrplan festlegen

Wer auf einen neue Gasheizung setzt, die er mit Biogas betreiben will, muss also die restlichen 5% des Reduktionsziels durch Ersatzmaßnahmen erreichen. Diese müssen nicht zeitgleich mit dem Einbau der neuen Heizung durchgeführt werden, sondern können in einem Sanierungsfahrplan festgelegt und später umgesetzt werden. Ersatzmaßnahmen können ganz unterschiedlicher Natur sein. In der Regel dürften die meisten Immobilienbesitzer auf eine Verringerung des Wärmeenergiebedarfs durch eine verbesserte Dämmung der Immobilie setzen. Das Gesetz enthält dazu in § 9 genaue Vorgaben. Ob das 5%-Ziel durch Dämmung der Außenwände, durch neue Fenster, der Dämmung von Kellerdecken oder Dachboden erreicht werden, muss mit einem zertifizierten Fachmann besprochen und im Sanierungsfahrplan dokumentiert werden. Dieser muss im Zuge der Erteilung der Betriebserlaubnis für die neue Heizung bei der Baurechtsbehörde eingereicht werden. Kontrolliert wird der Vollzug der angekündigten Maßnahmen durch den Bezirksschornsteinfeger.

Muster eines Sanierungsfahrplans
Muster des Sanierungsfahrplans zum EWärmeG BW. Siehe Umweltministerium BW

Eine weitere Ersatzmaßnahme kann in der Errichtung einer Photovoltaikanlage bestehen, die über eine Leistung von mindestens 0,02 kWpeak pro Quadratmeter Wohnfläche verfügen muss. Kilowattpeak ist die maximale Leistung einer Photovoltaikanlage bei optimalen Bedingungen. Bei einer 100 qm großen Wohnung müsste die Anlage also insgesamt eine Leistung von 2 kWpeak liefern, was mit PV-Modulen auf einer Fläche von ungefähr 10 bis 12 qm auf dem Dach erreicht werden kann, jeweils in Abhängigkeit von der maximalen Leistungsstärke der Module. Diese können heute über 0,3 kWpeak liegen.

Informationen von Erdgas Südwest zur Energieberatung und der Erstellung eines Sanierungsfahrplans: www.erdgas-suedwest.de/sanierung

Blockheizkraftwerk (BHKW) und Brennstoffzellenheizung (BZH) erfüllen das EWärmeG komplett 

Blockheizkraftwerke und Brennstoffzellenheizungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie über Kraft-Wärme-Kopplung verfügen: Wenn sie laufen, produzieren sie Wärme UND Strom. Der Einbau einer Heizung mit Kraft-Wärme-Kopplung kann die 15-Prozent-Regel vollständig erfüllen. Allerdings muss die neue Anlage zwei Kriterien gerecht werden: Sie muss eine gewisse Mindestmenge Strom erzeugen (15 kWh pro qm im Jahr) und außerdem hocheffizient sein. Konkret: Die Anlage muss über einen Wirkungsgrad von mehr als 80 % verfügen. Diese beiden Kriterien werden von den aktuell auf dem Markt befindlichen Blockheizkraftwerken erfüllt, bei denen ein Gasmotor Strom erzeugt und dessen Abwärme als Heizenergie genutzt wird. Das gleiche gilt für eine noch ganz neue, sehr innovative Technologie, die Brennstoffzellenheizung. Dabei wird in der Anlage aus Erd- oder Biogas Wasserstoff erzeugt, der zur Stromerzeugung genutzt und dessen Abwärme ebenfalls in Heizenergie umgewandelt wird. Eine Brennstoffzellenheizung arbeitet mit einem Wirkungsgrad von über 90 %. Weitere Informationen über die Funktionsweise einer BZH finden Sie hier in diesem Beitrag: Wie funktioniert eine Brennstoffzellenheizung.

Schritt für Schritt: So erfüllen Sie das Erneuerbare-Wärme-Gesetz

  1. Energieberatung: Wenn Sie sich als Hausbesitzer mit der Frage beschäftigen, eine neue Heizung anzuschaffen, sollte in Zeiten des EWärmeG im ersten Schritt eine Vor-Ort-Beratung durch einen Fachmann durchgeführt werden. Dieser ist als Energieberater erfahren mit der Umsetzung derartiger Projekte, kennt sich in den neuesten Technologien aus und kann Ihnen Tipps zur Umsetzung Ihres zukunftsweisenden Projektes geben. Dazu muss er sich ein Bild von der Immobilie machen, um die Gegebenheiten auf vorhandene Optimierungsmöglichkeiten zu prüfen. Am Ende der Beratung steht ein Plan, der darstellt, welches Heizungssystem für Sie in Frage kommt und welche Maßnahmen notwendig sind, um die Heizungssanierung nach den Maßgaben des EWärmeG durchzuführen. Es gibt im Internet diverse Portale, auf denen Sie nach unabhängigen Energieberatern suchen können, die sich auch mit den vielfältigen Fördermöglichkeiten zum Beispiel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bestens auskennen.
  2. Erstellung Sanierungsfahrplan: Falls Sie sich als Immobilienbesitzer dafür entscheiden, eine neue Gasheizung einzubauen, die mit Biogas betrieben wird, müssen Sie einen Sanierungsfahrplan erstellen. In dem werden die Ersatzmaßnahmen und deren datierte Umsetzung beschrieben, um der 15%-Regel des EWärmeG BW zu genügen. Auch hier gibt es die Möglichkeit, sich die fachgerechte Erstellung eines Sanierungsfahrplans von der KfW mit bis zu 15 % der Kosten fördern zu lassen.
  3. Erfüllung der Mitteilungspflicht an die zuständige Baurechtsbehörde: Spätestens 18 Monate nach Inbetriebnahme der neuen Heizung müssen Sie als Immobilienbesitzer eine Mitteilung an die untere Baurechtsbehörde abgeben, dass Sie gemäß den Vorgaben des EWärmeG erneuerbare Energien einsetzen. Bestandteile des Nachweises sind Informationen über das betreffende Gebäude, ein Formblatt über die gewählte Erfüllungsoption sowie eine Bestätigung des sachkundigen Heizungsbauers oder des Brennstofflieferanten.

Links

Der komplette Text des Erneuerbare-Wärme-Gesetz Baden-Württemberg in seiner aktuellen Fassung: www.landesrecht-bw.de

Umfangreiche Info-Seite des Umweltministeriums Baden-Württemberg zum EWärmeG BW. Dort können auch Anträge und Formblätter heruntergeladen werden: www.um.baden-wuerttemberg.de

Informationen von Erdgas Südwest zur Energieberatung und der Erstellung eines Sanierungsfahrplans: www.erdgas-suedwest.de/sanierung

Foto

Bild oben: Viessmann

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