Gasflamme auf Gaskochherd

Der erhöhte Gaspreis – Ursachen, Fakten, Tipps

Der Gaspreis ist in den letzten Monaten enorm gestiegen. Das beunruhigt viele Verbraucherinnen und Verbraucher, die mit Gas heizen oder Warmwasser erzeugen. Wir erklären, wie sich der Gaspreis zusammensetzt, warum er sich erhöht hat und was das für private Verbraucher bedeutet.

In den letzten Monaten ist der Gaspreis immer weiter gestiegen, eine Entwicklung, die in der Öffentlichkeit verstärkt thematisiert wird. Diese Nachrichten beunruhigen viele Verbraucherinnen und Verbraucher, weil sie vor allem für ihre Heizungen und die Warmwasserversorgung auf die Nutzung von Gas angewiesen sind. Jedoch gibt es keinen Grund zur Panik: Die Versorgung mit Gas ist gesichert. Hier mehr Informationen, wie sich der Gaspreis zusammensetzt, welche Ursachen für die Erhöhung diskutiert werden, was das für die Verbraucher bedeutet und womit in der Zukunft zu rechnen ist.

Inhaltsverzeichnis

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Der Bruttoerdgaspreis, den die Verbraucherinnen und Verbraucher durch den Abschluss eines Endkundenvertrages mit einem Gasversorger für die Lieferung von Gas bezahlen, setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Im Jahr 2020 betrug der Anteil, der dabei grundsätzlich durch den Gaslieferanten beeinflusst werden kann, etwa 41 % (1). Typischerweise zählen dazu die Beschaffungs- und Vertriebskosten der Lieferanten sowie die Marge. Darüber hinaus gibt es zwei weitere wesentliche Bestandteile. Steuern und Abgaben, zu denen seit diesem Jahr auch der CO2-Preis zählt, betragen etwa ein Drittel des Gesamtpreises von Erdgas für Ein- und Mehrfamilienhäuser.  

Als dritter Preisbestandteil werden die Kosten für die Netzinfrastruktur über die Netzentgelte an die Endkunden weitergereicht. Sie machen etwa ein Viertel des Gaspreises aus. Mit dem Netzentgelt werden die Kosten für das Leitungssystem beglichen, in dem das Gas dem Verbraucher ins Haus geliefert wird.  Dieses System besteht nicht nur aus etwa 500.000 km Gasleitungen, sondern auch aus Verteilstationen oder zum Beispiel aus großen Speichern, meist unterirdisch angelegten Kavernen, in denen das Gas vorgehalten wird. Die Messung des Verbrauches, also der Betrieb des Gaszählers und die Verarbeitung dieser Daten, muss ebenfalls bezahlt werden. Das macht 1,5 % des Endverbraucherpreises aus. Zuletzt wird noch die Konzessionsabgabe fällig (1,3 %), die an Kommunen und Gemeinden entrichtet werden muss, da für die Infrastruktur der Gaslieferung öffentliches Eigentum genutzt werden muss.

Infografik Zusammensetzung Gaspreis
Diese Grafik zeigt die Zusammensetzung des Gaspreises für private Verbraucher. Es wird deutlich, dass die Beschaffungskosten nur einen Teil ausmachen, während allein Steuern und Abgaben zu einem Drittel auf den Preis einwirken. Grafik: Erdgas Südwest

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Kosten des Verbraucherpreises für Gas nur zum Teil durch die Gaslieferanten beeinflussbar sind und weniger als die Hälfte dessen ausmachen, was der Verbraucher letztlich auf seiner Abrechnung vorfindet. 

Warum steigt der Gaspreis?

In den letzten Wochen sind die Beschaffungskosten, die ein Energieversorger für Gas zahlen muss, im In- und Ausland erheblich gestiegen. Dieser Preisanstieg bei der Gasbeschaffung spiegelt sich an den teilweise extrem erhöhten Börsenpreisen für Erdgas an den Großhandelsplätzen weltweit wider. Während im Jahresmittel 2020 weniger als 1,5 ct/kWh für reines Erdgas an den Börsen gehandelt wurde, wuchsen die langfristigen Gaspreise im Oktober auf mehr als 7 ct/kWh. An den kurzfristigen Märkten für eine Belieferung des Folgetages fielen die Preissteigerungen weit drastischer aus. Hier kostete eine Kilowattstunde Erdgas zeitweise über 11 ct. In allen diesen Preisen sind 60 % Prozent der übrigen Preisbestandteile des Verbraucherpreises noch zu addieren.

Globaler Wirtschaftsaufschwung nach der Pandemie

Diese Erhöhung gründet auf mehreren Entwicklungen, die sich überlagern. Zum einen steigt aufgrund der konjunkturellen Erholung weltweit der Bedarf nach Rohstoffen und Energie. In Folge des Ausbruchs der weltweiten Pandemie und der daraufhin verordneten Beschränkungen des Wirtschaftslebens sank der Energiebedarf, speziell von großen Industrieverbrauchern, zum Teil erheblich und damit auch die Großhandelspreise. Inzwischen lassen die wirtschaftlichen Einflüsse der Corona-Pandemie mehr und mehr nach, sodass die erhöhte Nachfrage nach Rohstoffen die Preise international steigen lässt. Insbesondere China spielt global durch seine enorm hohe Nachfrage an Energie eine entscheidende Rolle und ist bereit, hohe Energiepreise in Kauf zu nehmen. 

Witterungsbedingungen und reduzierte Gasspeicher

Die Witterungsbedingungen in Deutschland sorgten Anfang dieses Jahres zudem für eine zusätzlich erhöhte Nachfrage nach Wärme, und damit nach Gas. Die für die Versorgungssicherung wichtigen Gasspeicher mussten zur Gasversorgung deutlich geleert werden. Deren Füllstände liegen aktuell 10 – 20 % unterhalb des aktuell üblichen Niveaus (94 %), und das bereits zu Beginn der Heizperiode. Zusätzlich liegt die Einspeisung erneuerbarer Energien, vor allem durch die Windenergie, deutlich unter den Werten der Vorjahre. Diese Lücke wurde durch erhöhte Stromerzeugung mit Gaskraftwerken geschlossen. 

Emissionshandel

Ein wichtiges preistreibendes Instrument ist der durch die Europäische Union bereits 2005 eingeführte europäische Emissionshandel mit dem Ziel, Emissionen von Treibhausgasen von Kraftwerken, Industrieanlagen und des Luftverkehrs zu verringern. Innerhalb der EU werden darin Emissionsobergrenzen festgelegt, um Anreize zum Umstieg auf klimafreundlichere Energieformen zu setzen. Die an den Börsen gehandelten Emissionsberechtigungen erfahren durch die gestiegenen Rohstoffpreise und Energienachfrage ebenfalls enorme Preissteigerungen. Auch durch extrem hohe Gaspreise lohnte sich vermehrt der Einsatz von emissionsreicher Kohle zur Stromerzeugung. Mit Hilfe der Obergrenze dieser für die Sektoren Industrie, Kraftwerke und Luftverkehr verpflichtenden Emissionsberechtigungen steuert die EU aktiv das Angebot und gibt dem Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase einen Wert. Die Preise hierfür haben sich in diesem Jahr zwischenzeitlich auf 60 €/t verdoppelt.

Verzögerung bei Nord Stream 2

Die Ostsee-Pipeline ist technisch gesehen zwar einsatzbereit, allerdings steht das Genehmigungsverfahren noch aus. Mit der Inbetriebnahme dieser Gaspipeline besteht die Hoffnung auf sinkende Börsenpreise, da sie zusätzlich Erdgas nach Deutschland liefern und dadurch den Preisdruck reduzieren könnte. Die Steigerung der Gaspreise in Deutschland ist gesamtheitlich betrachtet eine Folge vieler komplexer Zusammenhänge und Einflussfaktoren. Die Heizperiode im Winter liegt noch vor uns. Es ist deshalb zu befürchten, dass der Gaspreis im Winter auf ähnlich hohem Niveau verbleibt. 

Diagramm Entwicklung Gaspreis Großhandel
Dieses Diagramm zeigt die Entwicklung der Gaspreise im Großhandel seit Anfang 2020. Quelle: Erdgas Südwest

Was bedeutet der neue CO2-Preis für den Gaspreis?

Neben den erläuterten Emissionsberechtigungen im europäischen Emissionshandel fehlte bis zum Jahr 2021 ein Anreiz zur Emissionsminderung in den Sektoren Verkehr und Wärmeerzeugung. Aus diesem Grund wurde mit Beginn des Jahres 2021 ein zusätzlicher nationaler Emissionshandel eingeführt. Der daraus folgende, medial bekannte CO2-Preis wird auf alle Brennstoffe des Energiesteuergesetzes erhoben. Dazu zählen aktuell Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssiggas und Erdgas. Der Preis im Jahr 2021 liegt bei 25 €/t. Ermittelt mit Hilfe der Menge von 0,182 kg, die bei einer Kilowattstunde Gas emittiert wird, ergibt sich daraus ein erdgasspezifischer CO2-Preis von 0,455 ct/kWh, den jeder Verbraucher als Kostenbeitrag auf seiner Rechnung vorfindet. Der CO2-Preis wird eine sukzessive Preissteigerung in den nächsten Jahren erfahren, die gesetzlich festgelegt ist. Für das Jahr 2025 ist aktuell ein Festpreis von 50 €/t festgelegt, was bezogen auf den Erdgaspreis etwa 1 ct/kWh entspricht.

Was bedeutet der gestiegene Gaspreis für mich als Verbraucher und was kann ich tun?

Bei Abschluss eines Liefervertrages mit einem Versorger wird der Preis für eine Kilowattstunde Gas festgelegt, die der Verbraucher bei Nutzung des Gases zu entrichten hat. Diese Verträge haben je nach Tarif unterschiedliche Laufzeiten, innerhalb derer der Lieferant den Preis garantiert. Eine Erhöhung des Großhandelspreises schlägt also innerhalb eines bestehenden Vertragsverhältnisses zunächst nicht auf den Endverbraucherpreis durch. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich mit Beendigung eines Vertrages und dem dann notwendigen Neuabschluss die gestiegenen Großhandelspreise auch in den Gastarifen der Lieferanten bemerkbar machen. Ähnliches gilt für einen vorzeitigen Wechsel des Versorgers und den Fall von Insolvenzen der Gaslieferanten durch die gestiegenen Preise. Als Verbraucher ist man jedenfalls jetzt und in der Zukunft gut beraten, einen Gastarif abzuschließen, der eine lange Laufzeit mit einer Preisgarantie beinhaltet. Das schafft Planungssicherheit und schützt vor kurzfristigen Schwankungen.

Alternativ kann man als Verbraucher auch durch Reduzieren des eigenen Energieverbrauchs Kosten sparen. Zum Beispiel durch schlaues Heizen und Lüften, beim Betrieb der Elektrogeräte oder auch beim Kochen! Alle Tipps dazu gibt es hier.

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Warum schlägt der gestiegene Gaspreis nicht sofort auf die Gasrechnung durch?

Wie oben erwähnt, verpflichten sich die Gasversorger mit entsprechenden Tarifen, Gas zu einem festen Preis zu liefern. Das ist nur möglich, weil sie sich ihrerseits mit langfristigen Beschaffungen absichern. Die Nachrichten über den sich verdoppelnden Gaspreis an den Rohstoffmärkten müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mit bestehenden Verträgen langer Preisgarantien nicht beunruhigen. In den meisten Fällen sind die Energiemengen weit im Voraus durch den Versorger beschafft worden. Im Falle von auslaufenden Verträgen wird es jedoch unweigerlich zu Preisanpassungen kommen.

Wie könnte die Abhängigkeit von Entwicklungen, die sich auf den Gaspreis auswirken, verringert werden?

Wie erwähnt ist die Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie eine wesentliche Ursache für den gestiegenen Großhandelspreis von Gas. Wenn die Wirtschaft wächst, vor allem in China, wird mehr Energie benötigt. Da Deutschland nicht über eigene bzw. nur sehr kleine Gasvorkommen verfügt, sind wir auf den Import von Energie angewiesen. Die Entwicklung auf dem globalen Energiemarkt macht sich also unmittelbar bemerkbar. Diese Abhängigkeit könnte durch den Ausbau erneuerbarer Energien verringert werden. Je mehr Strom hierzulande aus Sonnenenergie, Wind- oder Wasserkraft erzeugt wird, desto weniger Energie muss aus dem Ausland importiert werden. Lokale Energieerzeugung sorgt für Preisstabilität, auch wenn dafür in den nächsten Jahren mehr investiert werden muss. Langfristig dürften sich solche Investitionen jedoch doppelt auszahlen und für hohe Preisstabilität sorgen.

Welche Zukunft hat Gas angesichts der Klimaziele in Deutschland und Europa?

Die Weltgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, bis zur Mitte des Jahrhunderts vollständig auf die Nutzung fossiler Energieträger zu verzichten, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Davon ist auch die Nutzung von Gas betroffen. Allerdings hat Gas den Vorteil, dass bei seiner Nutzung weniger CO2 ausgestoßen wird als bei der Nutzung von Kohle. Da der Bedarf an Energie nicht sofort durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann, bietet sich Gas als Zwischenlösung an. So wird zum Beispiel die EnBW eines der größten Kohlekraftwerke Europas in Altbach bei Stuttgart auf Gas umstellen, um damit den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Langfristig wird jedoch auf die Nutzung fossilen Erdgases ganz verzichtet werden müssen. Dann könnte allerdings das vorhandene Leitungsnetz dazu dienen, klimaneutrale Gase zu verteilen: Biogas und Wasserstoff. Gas hat also Zukunft und spielt eine wichtige Rolle beim Umbau unserer Energieversorgung in Richtung Klimaneutralität.


Belege
(1) BDEW: Zusammensetzung Gaspreis

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