Andreas Faulhaber neben seiner Brennstoffzellenheizung

Bilanz nach 11 Jahren Erfahrung mit der Brenn­stoff­zellen­heizung

Andreas Faulhaber ist seit 11 Jahren Besitzer einer Brennstoffzellenheizung. Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit dieser Technologie, der mit Wasserstoff betriebenen, klimafreundlichen Heizung. Sein Fazit: Keine Probleme, alles wunderbar.

Seit 11 Jahren glücklich und die Entscheidung nie bereut – so könnte man die Erfahrung von Andreas Faulhaber mit seiner Brennstoffzellenheizung beschreiben. Nachdem er von keiner ihm bekannten Heizungstechnologie überzeugt war, hat das Callux Projekt der EnBW sein Interesse geweckt. So wurde er im Jahr 2010 zum Pionier der klimafreundlichen Brennstoffzelle. Den Wechsel von seiner 30 Jahre alten Ölheizung auf diese neue Technologie hat er bisher nie bereut. Im Gegenteil, der Ingenieur ist seither von seiner Wasserstoff-betriebenen Brennstoffzelle im Keller begeistert. Sie erzeugt Wärme und Strom – und das fast ohne Wartungsarbeiten.

natürlichZukunft: Herr Faulhaber, wie ist es vor 11 Jahren dazu gekommen, dass Sie sich für eine Brennstoffzellenheizung entschieden haben?

Andreas Faulhaber neben seiner Brennstoffzellenheizung
Andreas Faulhaber neben seiner Brennstoffzellenheizung

Andreas Faulhaber: Im Jahr 2010 haben wir ein Einfamilienhaus gekauft, in dem eine ca. 30 Jahre alte Ölheizung eingebaut war. Da die Heizung immer wieder ausfiel, war klar, dass diese mittelfristig ersetzt werden musste. Ich habe mich damals zu verschiedenen Heizungssystemen beraten lassen, z.B. Pellets, Scheitholz, Gas, Wärmepumpen und Geothermie. Allerdings konnte mich kein System vollständig überzeugen. In der FAZ las ich dann einen Bericht über ein Pilotprojekt der EnBW, bei dem Testkunden für Brennstoffzellenheizungen gesucht wurden. Die neue innovative Technik hat mich interessiert und so kam ich zur Brennstoffzelle.

natürlichZukunft: Und wie ging es dann weiter?

Andreas Faulhaber: Ich habe mich online auf das Projekt beworben und erhielt zunächst einen Fragebogen, mit dem Daten zur Immobilie und den Nutzern abgefragt wurden, z.B. „Wie groß ist die beheizbare Wohnfläche der Immobilie?“ oder „Wie viele Personen leben im Haushalt und wie alt sind diese?“ Anschließend fand eine Vorortbegehung durch einen Mitarbeiter der EnBW statt, bei der die bauseitigen Bedingungen geprüft wurden. Nachdem diese als geeignet eingestuft wurden, konnte der Vertrag mit der EnBW geschlossen werden.

natürlichZukunft: Gab es besondere Umstände, die die Installation der Brennstoffzellenheizung beeinflusst haben? Was musste beachtet oder evtl. an der Immobilie umgebaut werden?

Andreas Faulhaber: Als Vorteil erwies sich, dass im Haus zwei separate Schornsteine verbaut waren. An den Schornstein der alten Ölheizung wurde ein Kaminofen angeschlossen. Der zweite Kamin hat somit den Standort für die Brennstoffzelle in der Waschküche vorgegeben. Ein Abwasseranschluss für das anfallende Kondensat war in diesem Raum bereits vorhanden. Geprüft werden musste noch, ob die Dimension des Schornsteins ausreicht, um das Abgasrohr und die Frischluftansaugung darin zu verlegen. Außerdem mussten wir einen Gasanschluss ins Haus legen lassen. Nachdem alle baulichen Voraussetzungen umgesetzt waren, stellte der Transport der Anlage eine weitere Herausforderung dar. Das Haus mit Baujahr 1933 hat relativ schmale Türen und einen schmalen Treppenabgang. Dieser ist der einzige Zugang in den Keller, einen Zugang von außen gibt es nicht.

natürlichZukunft: Also lag die Schwierigkeit darin, die große Anlage überhaupt in den Raum zu bekommen?

Andreas Faulhaber: Die Anlage ist mit ca. 165 cm Höhe, 60 cm Breite und 60 cm Tiefe etwas größer als herkömmliche Gas- oder Ölheizungen. Die Schwierigkeit lag bei der engen Kellertreppe und der geringen Raumhöhe im Keller. Noch kniffeliger wurde es, als ein paar Jahre später ein größerer Pufferspeicher nachgerüstet wurde. Damit der Zugang über die Kellertreppe überhaupt möglich war, musste ein Türrahmen ausgebaut und die Isolierung des Speichers kurzzeitig entfernt werden. Aber durch gute Vorplanung und Absprache hat alles gut funktioniert.

natürlichZukunft: Die Anlage besteht aus der Brennstoffzelle und dem Pufferspeicher. Nutzen Sie diesen für Warmwasser oder Ihre Heizung?

Andreas Faulhaber: Der Pufferspeicher wird für beides genutzt. Er umfasst 750 Liter und dient zur Heizwassererzeugung und zur Trinkwassererwärmung. Außerdem besitzt er einen Solar-Wärmetauscher und ist dadurch für eine Anbindung an eine Solarthermieanlage vorbereitet. 

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Funktion einer Brennstoffzellenheizung 

natürlichZukunft: Es ist jetzt Frühling. Wie läuft die Anlage aktuell, wenn es warm ist? Springt die Brennstoffzellenheizung dann einmal am Tag für Warmwasser an oder wie ist das bei Ihnen?

Andreas Faulhaber: Die Leistung der Brennstoffzelle passt sich dem Wärmebedarf an. Die Außentemperatur wird über einen Temperaturfühler gemessen. Wenn es draußen wärmer wird, geht die benötigte Heizwärme im Haus zurück und die Leistung der Zelle wird entsprechend reduziert. Wenn die Außentemperatur wieder dauerhaft niedrig liegt und der Heizbedarf steigt, wird die Leistung wieder hochgefahren. In den letzten Tagen war die Außentemperatur höher und es wurde weniger Heizwärme abgenommen. Die Brennstoffzelle wurde daher automatisch heruntergefahren. Wenn wieder mehr Heizwärme benötigt wird, fährt die Zelle wieder hoch. In der warmen Jahreszeit, wenn die Außentemperatur hoch bleibt, wird die Zelle heruntergefahren, bis es im Herbst wieder kühler wird. Die Anlage arbeitet am effizientesten, wenn sie längere Zeit auf voller Leistung, also bei 100 % läuft.

Funktionsweise einer Brennstoffzellenheizung
Funktionsweise einer Brennstoffzellenheizung

natürlichZukunft: Aber das Warmwasser kommt natürlich trotzdem aus dieser Heizung?

Andreas Faulhaber: Ja natürlich. In der Anlage ist neben der Brennstoffzelle ein Gas-Brennwertgerät eingebaut. Die Brennstoffzelle leistet thermisch 3,5 kW, aber in Spitzenphasen übersteigt der Bedarf bei 2 Erwachsenen und 3 Kindern (2 davon sind bereits erwachsen) punktuell die produzierte Wärmemenge der Zelle. Wenn es sehr kalt und / oder der Wärmebedarf kurzzeitig hoch ist, heizt das Brennwertgerät mit. Im Falle einer Störung an der Brennstoffzelle schaltet die Steuerung das Gas-Brennwertgerät automatisch zu, um die Wärmeversorgung aufrecht zu erhalten. Es unterstützt somit die Brennstoffzelle bei hohem Wärmebedarf und dient als eine Art Backup. Und in den Sommermonaten, in denen nur Warmwasser erzeugt werden muss, heizt nur das Brennwertgerät und die Brennstoffzelle bleibt ausgeschaltet.

natürlichZukunft: Wie nehmen Sie den Betrieb der Anlage im Alltag wahr? Wie ist es mit Lärm, mit der Handhabung, mit der Steuerung? Ist es für Sie komfortabel oder müssen Sie eingreifen?

Andreas Faulhaber: Generell ist die Anlage sehr komfortabel, regelt sich selbst und arbeitet nahezu geräuschlos. Im Wohnbereich hören wir die Zelle nicht. Wenn, dann hören wir die Waschmaschine, die im gleichen Raum steht. Was die Störungen anbelangt, habe ich nie etwas mitbekommen. Wir hatten keinerlei Einschränkungen, weder beim Heizen des Hauses noch beim Warmwasser. In der Testphase wurde das Gas-Brennwertgerät noch online zugeschaltet. Mittlerweile erkennt die Anlage selbst, wenn dies erforderlich ist. Die Anlage kann über die Steuerung manuell früher hochgefahren werden, um die Periode der Stromerzeugung zu verlängern. Dies nutze ich teilweise in der Übergangsphase. Die Bedienung der Steuerung ist sehr einfach. 

„Reich wird man nicht, wenn man überschüssigen Strom ins Netz einspeist, aber durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung im Rahmen der Kleinunternehmerregelung können die Kosten zur Betreibung der Anlage steuerlich geltend gemacht werden.“

Wirtschaftlichkeit einer Brennstoffzellenheizung

natürlichZukunft: Sie erzeugen ja Strom. Wie stellt sich der Betrieb der Anlage für Sie wirtschaftlich dar? Welche laufenden Kosten haben Sie derzeit und können Sie das mit Ihrer früheren Ölheizung vergleichen?

Andreas Faulhaber: Einen vollständigen Vergleich habe ich noch nie gemacht, das wäre aber einmal interessant. Ich habe die Anlage als Kleingewerbe angemeldet, da ich Energie ins Netz einspeise – also ähnlich wie bei einer Photovoltaikanlage. Reich wird man nicht, wenn man überschüssigen Strom ins Netz einspeist, aber durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung können die Betriebskosten der Anlage steuerlich geltend gemacht werden. Letztes Jahr hatte ich einen Stromverbrauch von etwa 3.500 KWh, wobei rund 1/3 von der Brennstoffzelle erzeugt und von mir genutzt wurde. Überschüssiger Strom wurde ins Netz eingespeist. Wir haben in den letzten Jahren einige Energiesparmaßnahmen wie z.B. Vollwärmeschutz, neue Fenstern und die Isolierung des Daches durchgeführt. Dadurch konnten wir die Heizkosten weiter senken.

Lebensdauer einer Brennstoffzellenheizung

natürlichZukunft: Wie beurteilen Sie im Rückblick die Wartungszyklen und Reparaturanfälligkeit dieser Technologie? Haben Sie sich da schon einmal geärgert?

Andreas Faulhaber: Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht und selbst in der Testphase bemerkte ich nie, dass ein Testgerät im Keller steht. Außer, als die EnBW bzw. der Hersteller Hexis immer wieder vorbeigekommen sind. Nach Terminabsprache kamen die Installateure ins Haus und führten Ihre Arbeiten durch. Alles war sehr gut geplant und lief für mich sehr unkompliziert. 

„Die Erfahrungen mit meiner Brennstoffzellenheizung sind nur positiv.“

natürlichZukunft: Wurden Ihre Stacks auch schon einmal ausgetauscht?

Andreas Faulhaber: Die sind nach 7 oder 8 Jahren ausgetauscht worden. Nach einer bestimmten Laufzeit lässt die Effektivität nach. 

natürlichZukunft: Haben Sie sich auch privat intensiver mit der Wasserstofftechnologie beschäftigt oder kannten Sie die Funktion der Brennstoffzelle bereits, bevor die Anlage installiert wurde?

Andreas Faulhaber: Ich bin selbst Ingenieur und arbeite als Projektleiter im Bereich Anlagenbau – Interesse an Technik ist auf jeden Fall da. Wie eine Brennstoffzelle funktioniert, wusste ich anfangs nicht. Ich habe mich im Internet über das Funktionsprinzip informiert. Zum Beispiel, dass die Brennstoffzelle mit Erdgas bzw. Methan betrieben wird, eine Aufspaltung in Wasserstoff erfolgt und daraus Wärme und Strom erzeugt wird. Viel tiefer habe ich mich nicht eingelesen, aber es war schon interessant auch die Technik dahinter ein bisschen besser zu verstehen.

Erfahrungen mit einer Brennstoffzellenheizung

natürlichZukunft: Wie fühlt man sich als Pionier, der sich beim sensiblen Thema Heizung auf eine generell ziemlich unbekannte Heizungstechnologie verlässt?

Andreas Faulhaber: Immer, wenn wir auf das Heizungsthema kamen, waren die Leute sehr interessiert. Mich haben viele, denen ich erzählt habe, dass ich jetzt eine Brennstoffzelle habe, gefragt wie sie funktioniert. Einige haben die Anlage sogar angeschaut. Einer meiner Freunde hatte das gleiche Problem: altes Haus mit alter Ölheizung. Ihn habe ich überzeugen können an dem Projekt teilzunehmen. Seine Anlage steht auch heute noch in seinem Keller und läuft zuverlässig.

natürlichZukunft: Haben Sie Ihre Entscheidung für die Brennstoffzellenheizung jemals bereut?

Andreas Faulhaber: Nein, ganz im Gegenteil. Die Heizung wurde bei mir eingebaut und sämtliche Umbauten, die erforderlich waren, hat die EnBW bezahlt. Man musste am Anfang Rohre ziehen, neu isolieren, neue Schaltschränke für die Zähler anbringen und die Anlage an das Internet anschließen. So hatte ich teilweise neue Installationen im Keller, die mich nichts gekostet haben. Die Kosteneinsparung war ein großer Vorteil der Testphase.

natürlichZukunft: Ihre Anlage im Kellerraum wird wahrscheinlich nicht so warm, wie man das aus einem normalen Heizungskeller kennt, oder?

Andreas Faulhaber: Die Anlage ist gut isoliert. Der Raum wird daher nur leicht erwärmt, wenn die Brennstoffzelle läuft. Wenn in der Winterperiode beide Brenner arbeiten, wird der Raum entsprechend etwas stärker aufgeheizt. Durch diesen Effekt haben wir aber einen Zusatznutzen, da die Wäsche in wärmerer Umgebung besser trocknet. So gesehen ist das ein günstiger Nebeneffekt, denn die entstehende Abwärme kann ebenfalls genutzt werden.

natürlichZukunft: Vielen Dank für das Gespräch!

Hier gibt es mehr Informationen zur Brennstoffzellenheizung bei Erdgas Südwest: www.erdgas-suedwest.de/brennstoffzelle.

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Geschichte der Brennstoffzelle

  • 1839: Prinzip aus Wasserstoff und Sauerstoff Stom zu erzeugen von Sir William Grove entdeckt
  • 1921: erste deutsche Forschungsversuche mit Brennstoffzelle
  • 1960er: NASA entdeckt die Brennstoffzelle als Kraftwerk für Raumschiffe, abgesondertes Wasser kann als Trinkwasser eingesetzt werden
  • Ende 1960er: Siemens und Verta bauten Brennstoffzellen-basierte Umsetzer-Stationen für Fernsehsender
  • 1980er: Entwicklung erster Brennstoffzellenautos 
  • 1993: Brennstoffzellenbus
  • 1996: erstes Pkw mit Brennstoffzelle 
  • 1998: Vaillant stellte erste Brennstoffzellenheizung vor
  • Ab 2000: Kommerzialisierung der Technologie
  • 01.08.2016: Förderung von stationären Brennstoffzellenheizungen in Deutschland durch das BMWi


Videoreihe: FAQ Brennstoffzellenheizung – Technik, Kosten, Förderung

Sie fragen – Erdgas Südwest antwortet. Brennstoffzellenheizungen erzeugen Wärme und Strom mit der neuen, innovativen Wassertechnologie. Aber wie funktioniert das genau, was sind die Vorteile und wie ist das mit Kosten und staatlichen Fördermaßnahmen? Diese und weitere Fragen beantworten die Expertinnen und Experten von Erdgas Südwest in der folgenden Videoreihe.


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