Nachhaltiger Wald im Schwarzwald für Klimaschutz

Nach­haltige Forst­wirt­schaft und ihre Bedeu­tung für den Klima­wandel

Die Deutschen und ihr Wald verbindet eine große Liebe. Insbesondere durch die Romantiker ist der Wald zum Symbol für Zuflucht und Geborgenheit geworden. Heute ist der Wald Erholungs- und Wirtschaftsraum zugleich. Durch den Klimawandel ist der Wald aber gefährdet und muss daher nachhaltig behandelt werden. Hier gibt es mehr Informationen zu diesem wichtigen Thema.

Nachhaltigkeit – darunter verstehen wir eine Ressourcen-Nutzung, die Bedürfnisse und Bewahrung in Einklang hält. Nachhaltigkeit ist schon seit Jahrhunderten ein festes Leitbild in der Forstwirtschaft. Die ursprüngliche Bedeutung ist, nur so viel Holz zu schlagen, wie auch nachwachsen kann.  In den letzten Jahrzehnten wurde der Begriff um die Ökologie und den sozialen Faktor erweitert. In dem folgenden Artikel führen wir aus, wie nachhaltige Forstwirtschaft heute aussieht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Der Wald in Deutschland
  2. Nachhaltige Forstwirtschaft
  3. Die Situation der Wälder heute
  4. Die richtigen Baumarten im Klimawandel
  5. Warum der Mensch den Wald braucht – aber der Wald den Menschen nicht
  6. Nachhaltig leben – aber wie?

Der Wald in Deutschland

Etwa ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands besteht aus Wald. Auf 11,4 Millionen Hektar wachsen rund 90 Milliarden Bäume. Wald ist da, wo Forstwirtschaft betrieben wird, so die Definition im Bundeswaldgesetz (BWaldG): „Wald im Sinne dieses Gesetzes ist jede mit Forstpflanzen bestockte Fläche. Als Wald gelten auch kahlgeschlagene oder verlichtete Grundflächen, Waldwege, Waldeinteilungs- und Sicherungsstreifen, Waldblößen und Lichtungen, Waldwiesen, Wildäsungsplätze, Holzlagerplätze sowie weitere mit dem Wald verbundene und ihm dienende Flächen.“

Auf gut 73 % der Holzbodenfläche wachsen in Deutschland unter anderem die vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche. Die größten Waldflächen befinden sich in Hessen und Rheinland-Pfalz (42 %), dicht gefolgt von Baden-Württemberg (38 %). Etwa 48 % des Waldes sind in Privatbesitz, 29 % sind in Länderbesitz, 4 % gehören dem Bund und 19 % sind sogenannter Körperschaftswald. Die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse haben auch verschiedene Betreuungsstrukturen zur Folge.

Nachhaltige Forstwirtschaft

Nachhaltigkeit – dieser Begriff ist inzwischen zu einem umfassenden Leitbild zukunftsorientierten Wirtschaftens geworden. Sein Ursprung liegt in der Forstwirtschaft und sein Grundwert geht zurück bis in die Antike. Er entwickelte sich im Laufe der letzten tausend Jahre als Teil unserer Kultur. Denn dass wir mit dem Wald bewusst umgehen müssen, das wurde schon in historischen Zeiten erkannt. Schon im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit war die Holzknappheit ein echtes Problem, da Holz der einzige bekannte Energielieferant z.B. für das Heizen oder für die Gewinnung von Metallen oder auch das Salzsieden war. Außerdem wurden viele Alltagsgegenstände wie Möbel oder auch Geschirr aus Holz hergestellt und natürlich beim Bau von Behausungen eingesetzt. Die Erschließung der Kohlelager in der Industrialisierung wurde wesentlich durch die Holzknappheit angetrieben.

Doch der Wald dient nicht allein als Holzlieferant. Er hat auch eine Schutzfunktion: Bodenschutz, Lawinenschutz, Wasserfilter, Wasserspeicher, CO2-Speicher, Sauerstoffproduzent. Und er hat eine Erholungsfunktion für Radfahrer, Spaziergänger, Mountainbiker, Pilzsucher und Fotografen. Gerade im Zuge der Pandemie nutzen viele den Wald, um sicher frische Luft zu schnappen. Wer den ganzen Tag im Homeoffice arbeitet, der kann im Wald abschalten, Sport treiben oder auch mit Abstand soziale Kontakt pflegen. Außerdem ist er ein wichtiger Lebensraum für eine große Vielfalt an Tieren und Insekten. 

Das alles müssen FörsterInnen im Zuge eines nachhaltigen Waldmanagements berücksichtigen und extrem langfristig planen: Denn von Sämling bis zur Ernte vergehen viele Jahrzehnte, weshalb sich Baumleben oft über mehrere Förstergenerationen ziehen. Und: Alle Interessen unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. Denn in Deutschland treffen alle Interessen und Funktionen auf einer Fläche aufeinander und die können durchaus gegensätzlich sein. Andere Länder gehen hier anders vor und setzen für unterschiedliche Waldfunktionen auch unterschiedliche Flächen ein.

Die Situation der Wälder heute

Jedes Jahr veröffentlicht die Bundesregierung den Waldzustandsbericht (ehem. Waldschadensbericht). Gerade in den letzten Jahren standen hier der Klimawandel und seine offensichtlichen Folgen für die Wälder im Vordergrund. Anhaltende Perioden mit zu geringen Niederschlägen führen zu Trockenschäden wie z. B. einem vorzeitigen Abfall der Blätter. Außerdem kam es zu einer regelrechten Massenvermehrung von Borkenkäfern, die z. B. bei Fichten schwere Schäden verursachen.

Bei allen Baumarten musste man in 2020 dazu eine Verschlechterung der Zustände der Baumkronen feststellen und tatsächlich beobachteten die Förster verstärkt ein Absterben von Fichten, Buchen und Tannen. Natürlich halten Bäume einiges aus. Kommen allerdings mehrere negative Faktoren zusammen und das über mehrere Jahre, dann kommen selbst Bäume ans Ende ihrer Kräfte.

Die richtigen Baumarten im Klimawandel

Bäume halten viel aus und haben vor allem die Fähigkeit, sich alleine zu verjüngen. Sie regenerieren sich, wenn die Umstände es zulassen. FörsterInnen können nachhelfen, indem sie kleine Lücken und Freiflächen schaffen und den Bäumen mehr Licht geben. Oder sie pflanzen an die Umstände angepasste Baumarten. Problem: Das Klima verändert sich und die Bedingungen sehen in ein paar Jahren anders aus als heute. Bäume, die heute gut anwachsen, kommen dann mit dem Klima vermutlich nicht zurecht. Es gibt daher nicht die eine Baumart, die hier Abhilfe schafft. Mischbestände sowohl aus heimischen, als auch bisher nicht heimischen Baumarten könnten zu stabilen Beständen führen. Bei nicht heimischen Baumarten wird standortsspezifisch gearbeitet. Das heißt, es wird die Baumherkunft berücksichtigt und geprüft, ob die Baumarten mit den aktuellen und künftigen Bedingungen an einem Standort zurechtkommen. Naturschutzfachliche Aspekte werden selbstverständlich auch mit einbezogen. Baumhasel, Atlaszeder, Große Küstentanne, Hainbuche oder Esskastanie und Elsbeere könnten besser mit dem künftigen Klima zurechtkommen.

Warum der Mensch den Wald braucht – aber der Wald den Menschen nicht

Wir brauchen den Wald. Er produziert Sauerstoff, ist Bodenschutz, Wasserspeicher, Wasserfilter, Holzlieferant und Erholungsort. Doch in einem Wald, wie wir ihn normalerweise kennen, als abwechslungsreichen und strukturierten Mischwald, steckt viel Waldmanagement. Die Natur jedoch braucht den Menschen nicht. Überlässt man einen Wald sich selbst, setzen verstärkt natürlichen Prozesse ein. Die Folge: Die an dem jeweiligen Standort stärkste Art setzt sich über die Zeit durch – und mit den schwindenden Baumarten können auch Lebensräume für Tiere und Insekten schwinden. Denn nicht jedes Tier lebt gern in einer Buche, die als sehr konkurrenzfähig gilt und langfristig zum Beispiel vielerorts der Eiche den Lebensraum streitig machen würde.

Dass sich das Klima verändert, ist an sich ebenso ein natürlicher Vorgang. Das Tempo, in dem wir das aktuell erleben, ist aber menschengemacht. Die Natur kann daher nicht schritthalten, ihr bleibt kaum Zeit sich anzupassen. Die Lösung könnten Baumarten sein, die mit dem künftigen Klima gut zurechtkommen, die also jetzt in Wäldern wachsen, in denen das Klima heute so ist, wie es in Deutschland in Zukunft sein könnte. Außerdem werden andere Baumarten komplett aus der Nutzung genommen, auch ganze Flächen, oder die Nutzung wird stark eingeschränkt zugunsten von Arten- und Prozessschutz. 

Nachhaltig leben – aber wie?

Der Wald ist gestresst. Praktisch keine Baumart bleibt von den Klimaentwicklungen, von Trockenheit, Stürmen und Schädlingen verschont. Nachhaltige Forstwirtschaft ist heute wichtiger denn je, sie hat sich aber auch zu einem komplexen Begriff entwickelt. FörsterInnen beziehen neben ökologischen Aspekten auch soziale, ökonomische, zeitliche und räumliche Faktoren in ihre Planungen mit ein. 

Doch bei allen Anstrengungen der Forstwirtschaft liegt die Verantwortung natürlich auch bei jedem einzelnen. Das eigene Konsumverhalten spielt hier wie natürlich bei der Klimaproblematik an sich eine große Rolle. Wie und wo lässt sich der Holzverbrauch reduzieren? Woher kommt mein Holz? Außerdem ist es besser, Holz beim lokalen Förster oder Handwerker zu kaufen statt im Baumarkt. Und natürlich: Wie langlebig sind meine Produkte? Holzzahnbürsten mögen zum Beispiel im ersten Moment ein gutes Gewissen machen – aufgrund ihrer kurzen Nutzungsdauer sind sie bei genauer Betrachtung aber nicht unbedingt gut für die Umwelt. Denn wie wir wissen, bindet Holz während des Wachstums CO₂. Je langfristiger die Nutzung von Holzprodukten, wie zum Beispiel Bauholz, also ist, desto länger bleibt das CO₂ gebunden und ist der Atmosphäre entzogen. Darum: Genau hinsehen und bewusst einkaufen und verbrauchen.

Übrigens: Für jedes verkaufte Solarmodul pflanzt Erdgas Südwest einen Baum in der Region! Mehr Infos dazu gibt es hier.

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