Ventilator statt Klimaanlage

Klimaanlagen & Co: Richtig kühlen im heißen Sommer

Die Sommer werden immer heißer. Deswegen verbreiten sich in unseren Breitengraden immer mehr Geräte, die Innenräume bei Hitze kühlen. Klimaanlagen sind umstritten u.a. weil sie viel Strom verbrauchen. Wir zeigen, was man bei dem Betrieb einer Klimaanlage beachten sollte und zeigen Alternativen auf. So kühlen Sie im Hochsommer richtig.

Inhaltsverzeichnis

  1. Lüften – aber richtig
  2. Klimaanlagen und Ventilatoren
  3. Mythen und Vorurteile – was ist dran?
  4. Gut kombiniert – Klima- und Solaranlage
  5. Was gilt es noch zu beachten

Die Sommer in Mitteleuropa werden auf Grund des fortschreitenden Klimawandels immer heißer, darauf deuten alle statistischen Daten hin. Deshalb suchen immer mehr Menschen nach Möglichkeiten Haus oder Wohnung kühl zu halten. Klimaanlagen sind dabei oft die erste Wahl der Mittel im Kampf gegen Hitzestau. Jedoch gibt es viele „natürliche“ Maßnahmen, die man zunächst ergreifen kann und sollte. Denn Klimaanlagen verbrauchen in nicht geringem Umfang elektrische Energie – was man im Geldbeutel merkt und obendrein für das Klima nicht vorteilhaft ist. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie man sich im Sommer verhalten sollte, um die Hitze des Tages aus der Wohnung zu halten bzw. eine Klimaanlage stromsparend zu betreiben.

1. Lüften – aber richtig

Die erste Reaktion bei dicker Luft fällt zumeist wie selbstverständlich aus: Fenster auf! Aber Halt! Nicht immer ist das die beste Idee, denn so strömt, wenn es draußen heiß ist, noch mehr warme Luft ins Innere. Und das ist ja nicht das Ziel. „Richtig lüften!“ heißt die Devise und da gibt es mehrere Möglichkeiten.

Aufs Timing kommt es an

Im Sommer sinken die Temperaturen abends bzw. nachts und steigen im Lauf des Tages. das bedeutet: Wer es drinnen schön kühl haben will, sollte die Fenster tagsüber geschlossen halten. Ausgiebig gelüftet wird dann morgens und abends. Außerdem kann man die Fenster nachts ebenfalls geöffnet lassen – wenn der Stadtlärm und die lästigen Mücken einem nicht den Schlaf rauben. 

Richtig lüften – so gehts

Man unterscheidet zwischen drei Lüftungsarten.

  • Fenster kippen: Ist das Fenster gekippt, findet nur wenig Luftaustausch statt bzw. die Luftzirkulation braucht sehr lange. Wenn gekippte Fenster, dann am besten nachts. Tagsüber eignen sich die anderen Methoden besser, um für ausreichenden Luftaustausch zu sorgen.
  • Stoßlüften: Türe zu und Fenster weit auf. Im Sommer wie im Winter eignet sich diese Methode sehr gut für einen schnellen und effektiven Luftaustausch. Die alte Luft wird rausgezogen, die frische, sauerstoffreiche Luft kann rein. Im Sommer darf das Fenster dafür gerne 20 Minuten (oder länger – je nach Außentemperatur) offen stehen, im Winter reichen zumeist 5 Minuten.
  • Querlüften: Spätestens seit Corona dürfte bekannt sein, was damit gemeint ist. Während beim Stoßlüften die Zimmertür geschlossen bleibt, öffnet man beim Querlüften am besten in mehreren Zimmern Fenster und Türen. Der entstehende Durchzug sorgt für einen schnellen und nahezu kompletten Luftaustausch. Stehende Luft weicht in kurzer Zeit aus Innenräumen und wird durch frische Luft ersetzt.
  • Energiespartipps: Hier haben wir viele Tipps zusammengestellt, wie Sie richtig lüften.

Hilfsmittel für gute Luft

Es gibt noch ein paar weitere Methoden, die helfen, im Sommer zuhause für gutes Klima zu sorgen.

  • Dringt Sonnenlicht durch die Fenster, erwärmt sich die Luft im Innenraum. Folglich hilft es, keine Sonne durch Fenster reinzulassen, sprich: Rolladen runter. Das mag – gerade im Sommer – nicht immer die gemütlichste Lösung sein. Aber wer den Tag nicht in der Wohnung, sondern am Arbeitsplatz verbringt, der sollte morgens am besten alle Rollos, Rollläden oder Vorhänge in der Wohnung schließen. So erwartet einen nach Feierabend eine kühlere Wohnung.
  • Frisch gewaschene Wäsche, die noch trocknen muss, davon haben wir letztlich alle mehr, als uns lieb ist. Im Sommer trocknet die Wäsche schnell und man kann sich den stromfressenden Wäschetrockner sparen. Netter Nebeneffekt: Die nasse Wäsche hilft beim Kühlen in der Wohnung, denn beim Trocknen wird der Luft Wärme entzogen. Wer gerade keine Wäsche hat, der hängt am besten nasse Tücher oder Bettlaken vor Fenster und Türen auf.
  • Schwere Textilien wirken wie Wärmespeicher. Im Winter helfen sie dabei, die Wärme in den Räumen zu halten. Im Sommer leider auch. Also am besten während der heißen Tage Teppiche und schwere Vorhänge zusammenrollen und wegräumen. 
  • Elektrogeräte erzeugen Wärme, je mehr je länger sie in Betrieb sind. Viele lassen wir über den Tag laufen, selbst wenn wir sie gar nicht wirklich benötigen. Das frisst Strom und erzeugt Wärme. Folglich gilt: abschalten, was nicht wirklich gebraucht wird.
  • Richtig dämmen ist das A und O – nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer. Denn wo im Winter keine Kälte reinzieht, bleibt im Sommer die Hitze draußen. Fenster und Wände von Neubauten sind heute sehr gut wärmeisoliert. Bei Altbauten muss das aber meist nachträglich gemacht werden.
  • Schon gewusst? Der Mensch selbst strahlt über seinen Körper Wärme ab und funktioniert somit als zusätzliche Heizung für den Raum. Im Durchschnitt sind es etwa 80 – 100 Watt, die abgestrahlt werden. Das sind etwa soviel wie eine alte starke Glühbirne und u.a. auch der Grund, weshalb es an einem heißen Tag in der verschlossenen Wohnung immer wärmer wird und man den Drang verspürt unbedingt zu lüften. Das sollte man auch tun, um frischen Sauerstoff reinzulassen. Allerdings auch nicht zu lange, weil die Luft draußen inzwischen viel wärmer ist als drinnen.

2. Klimaanlagen und Ventilatoren

Wer im Sommer richtig lüftet, braucht keine zusätzlichen Hilfsmittel. Allerdings lässt sich nicht jede Wohnung so belüften, dass das Wohnklima an heißen Tagen angenehm bleibt. Gerade im Dachgeschoss bringt selbst richtiges Lüften manchmal nicht ausreichend Frischluft ins Rauminnere. Hersteller von Ventilatoren und Klimaanlagen freut das natürlich, denn deren Umsatz steigt inzwischen jedes Jahr. Doch welche Geräte gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Ventilator

Der gute alte Ventilator. Man kennt ihn aus dem Urlaub in südlichen Gefilden: Irgendwo steht in jedem Raum einer herum oder hängt von der Zimmerdecke. Ventilatoren gibt es in nahezu jeder Größenordnung (selbst für die Handtasche) und für die Decke sowie als Boden- bzw. Standgerät oder Turmventilatoren. Je nachdem, wo man ihn gerade braucht, ist er schnell in Betrieb. Allein der Ventilator bringt aber noch keine kühle Luft, sondern hält die bestehende Raumluft lediglich in Bewegung. In Kombination mit einem nassen Tuch sieht das aber gleich anders aus: Der Ventilator wirbelt Verdunstungskälte auf und die bringt die ersehnte Kühlung. Dafür das Tuch am besten hinter den Ventilator hängen, dann saugt er die nasskalte Luft ein und verteilt sie nach vorne im Raum.

Monoblock Klimagerät

Wer einen kleineren Raum schnell und effizient kühlen möchte, erreicht das mit einem Monoblock Klimagerät. Die Anschaffung ist relativ günstig, eine aufwändige Montage entfällt. Einfach einstecken und den Schlauch für die Abluft aus dem Fenster hängen. Nachteil: Da das Fenster die ganze Zeit geöffnet ist, dringt natürlich wieder warme Luft ins den Raum – energetisch eigentlich ineffizient. Deswegen muss auch im Sommer (wie im Winter) für eine optimale Abdichtung der Fenster gesorgt werden. Allerdings kann einem das Geräusch durchaus den Schlaf rauben. Also besser nicht die ganze Nacht laufen lassen.

Split Klimagerät

Um mehrere Räume, also eine ganze Wohnung oder eine Bürofläche zu kühlen, braucht man ein größeres Klimagerät. Diese sogenannten Splitgeräte bestehen aus einem Innen- und einem Außenteil. Der Innenteil kühlt die Luft im Rauminneren, der Außenteil führt die warme Luft ab. Die Verbindung der beiden Teile erfolgt über einen Wanddurchbruch, der über eine Nachrüstung erfolgen kann – mit Zustimmung des Vermieters. Zwar liegen die Kosten hier bei der Anschaffung höher als bei einem Monoblock Klimagerät, allerdings lassen sich größere Flächen effizient kühlen und das bei geringerem Geräuschpegel. 

3. Mythen und Vorurteile zu Klimaanlagen – was ist dran?

Um Klimaanlagen ranken sich einige Vorurteile. Doch was ist dran an horrenden Stromkosten und Erkältungsgefahr?

Klimaanlagen sind teuer

Ein Klimagerät bezahlt man nicht aus der Portokasse. Die Monoblockgeräte (ab 600 €) sind zwar in der Anschaffung kostengünstiger, dafür kühlen sie nicht so effizient und schnell und müssen unter Umständen länger laufen. Splitgeräte (ab 1.000 €) erfordern einen gewissen Anschaffungspreis inklusive Baumaßnahmen, sind dann im Betrieb und bei durchdachter Nutzung weniger teuer.

Klimaanlagen sind umweltschädlich

Um den Austausch der Wärme zu realisieren, enthalten Klimaanlagen flüssige Kältemittel. Diese können schädlichen Einfluss auf die Atmosphäre nehmen, weshalb die EU deren Verwendung bereits stark eingeschränkt hat. Als Alternative sind inzwischen harmlose Gase wie z.B. Propangas im Einsatz.

Klimaanlagen sind laut

Ja und Nein. Monoblockgeräte sind lauter als Splitgeräte. Beim Kauf lohnt sich der Blick auf die Dezibelangaben: Liegt die bei etwa 20 Dezibel bis maximal 50 Dezibel, kann man von wenig Störung ausgehen. Alles über 50 Dezibel, was etwa der Lautstärke eines Gesprächs entspricht, kann durchaus als störend empfunden werden.

Klimaanlagen sind Stromfresser

Der Verbrauch von Klimageräten reicht von Effizienzklasse A+++ bis D (alte Norm). Splitgeräte erreichen hohe Effizienzklassen, mobile Kleinklimageräte gibt es nur bis Klasse A+. Auf den Herstellerangaben findet man meist den Stromverbrauch pro Jahr, der einem Richtwert von 350 Stunden entspricht, da nur von einer Nutzungsdauer über die warmen Sommermonate ausgegangen wird.

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Bei zu starker Klimatisierung steigt die Erkältungsgefahr

Jein. Das Erkältungsrisiko durch Klimaanlagen hat mehrere Ursachen, die man alle vermeiden kann:

  1. In Klimaanlagen kann sich durch das Abkühlen der Luft Kondenswasser bilden – der ideale Nährboden für Keime aller Art. Diese werden dann in den Raum gepustet, umherwirbelt und gut verteilt, ohne dass Frischluft dazukommt. Richtig ungünstig ist auch, wenn über den Ansaugstutzen des Geräts Abgase, Pollen und Schmutzpartikel von draußen über die Klimaanlage in die Innenräume gelangen. Die Lösung: Regelmäßiges Warten des Geräts. 
  2. Klimaanlagen kühlen die Luft nicht nur, sie trocknen sie auch aus. Das führt zu trockenen Schleimhäuten in Nase, Mund und Augen, was wiederum die Chance für ein Eindringen von Krankheitserregern erhöht. Hier helfen Luftbefeuchter aber auch Nasensprays sowie Augentropfen und ausreichend Trinken.
  3. Wer oft zwischen heißen Außentemperaturen und kalter Büroluft hin- und herpendelt, sollte darauf achten, nicht zu überhitzen bzw. auszukühlen. Durch Schweiß auf der Haut kühlt der Körper aus – unsere natürliche Klimaanlage. Kommt von außen Kühlung hinzu, sorgt das für eine zu schnelle Abkühlung und das kann den Kreislauf überfordern. Die Folge: Erkältung. Am besten also mehrere Schichten anziehen und nach Bedarf an- oder ausziehen.
  4. Klimaanlagen sollten im Hochsommer, wenn die Temperatur draußen auf über 30 Grad steigt, nicht auf die maximal mögliche Abkühlungsstufe gedreht werden. Bei +33 Grad wirken auch 25 Grad schon angenehm kühl, weil ja auch die Bekleidung entsprechend gewählt wird.

4. Gut kombiniert: Klima- und Solaranlage

Klimaanlagen erhöhen die Stromkosten. Darauf muss man sich einstellen, egal, welches Gerät man sich anschafft. Allerdings muss der Strom nicht aus dem Stromnetz kommen. Viel besser ist da die Anschaffung einer hauseigenen PV-Anlage, die genau diese neu anfallenden Kosten abdecken kann. Die Logik dahinter ist simpel: Die Photovoltaikanlage erzeugt am meisten Strom, wenn draußen die Sonne scheint und es heiß ist – also zum gleichen Zeitpunkt, wenn drinnen die Klimaanlage anspringt. Heißt: Die Verbrauchskurve der Klimaanlage und die Erzeugungskurve der PV-Anlage ergänzen sich perfekt. Das spart Geld und entlastet die Umwelt.

Einige Klimaanlagen lassen sich außerdem so mit der Solaranlage koppeln, sodass sie nur in Betrieb gehen, wenn ausreichend Strom erzeugt wird. So vermeidet man, dass die Energie doch aus dem Netz gezogen wird, was die Stromrechnung in die Höhe treibt. Außerdem ist wichtig, dass die PV-Anlage ausreichend Storm erzeugt, um die Klimaanlage zu betreiben bzw. mitzubetreiben. Denn meistens dient die Solaranlage ja nicht nur dem Betrieb der Klimaanlage, sondern soll den Haushalt insgesamt mit Strom versorgen oder zumindest ergänzen.

Das Elektroauto mit eigenem Ökostrom vom Dach aufladen? Mehr Information über die Vorteile einer PV-Anlage in Kombination mit einem Stromspeicher finden Sie hier.

PV & Speicher: Link zum Solar-Rechner

5. Was gilt es noch zu beachten?

Im Sommer genießen wir die warme Luft. Doch niemand sitzt gerne schwitzend am Schreibtisch. Bei 35 Grad Raumtemperatur kann man nicht arbeiten und auch nicht schlafen. Darum ist es wichtig, für frische Luft zu sorgen. Wer sich ein bisschen informiert, hat schnell wieder einen kühlen Kopf und kommt gut durch den Sommer. 

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