Brennstoffzellenheizung Bedienung

Inter­view: Erfahr­ungen aus 6 Jahren Brenn­stoff­zellen­heizung

Seit sechs Jahren betreibt der Physikingenieur Herwig Marschelke bereits eine Brennstoffzellenheizung in seinem Haus – als einer der ersten privaten Anwender in Deutschland überhaupt. Wir haben ein Interview mit ihm geführt, um aus erster Hand zu erfahren, wie es sich mit einer Heizung lebt, die mit Wasserstoff betrieben wird.

Ein Mann und seine Brennstoffzellenheizung. Was klingt wie ein Filmtitel, ist bei Herwig Marschelke Realität – und beschreibt eine ganz besondere Freundschaft. Ein Zeitungsartikel weckte 2013 seine Neugier: Im Rahmen des Callux-Projektes wurden bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG noch Testpersonen für die Brennstoffzellenheizung gesucht. Marschelke schaffte es in den Kreis der Tester und blickt mittlerweile auf sechs Jahre äußerst zuverlässigen Betrieb zurück. Doch wie lebt es sich mit so einer Brennstoffzellenheizung? natürlichZukunft hat nachgefragt.

natürlichZukunft: Herr Marschelke, wieso eine neue Heizung, wenn es eigentlich gar nicht notwendig ist?

Herwig Marschelke: Ehrlich gesagt bin ich einfach ein neugieriger Mensch. Ja, meine Gasheizung war damals wirklich noch recht neu. Aber nachdem ich von Callux las, war mein Spieltrieb geweckt. Als Physikingenieur und Hobbytechnologe musste ich da einfach dabei sein. Und ich hätte ja jederzeit wieder auf meine bisherige Gasheizung umsteigen können.

natürlichZukunft: Es ist schon auch mutig, so eine ganz neue Technologie, wie die Brennstoffzellenheizung es damals in Deutschland war, auszuprobieren, oder?

Der Ingenieur Herwig Marschelke hat gute Erfahrungen mit seiner Brennstoffzellenheizung gemacht.
Der Ingenieur Herwig Marschelke hat gute Erfahrungen mit seiner Brennstoffzellenheizung gemacht.

Herwig Marschelke: In meinem Fall war das nicht so mutig, meine Gasheizung war ja im Keller eingelagert und jederzeit bereit, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Es konnte mir also nicht viel passieren. Da alles im Rahmen eines EnBW-Tests ablief, war das Ganze außerdem mit Netz und doppeltem Boden abgesichert. Da ein regulärer Wärmeliefervertrag lief, fielen auch keine Extrakosten für die Heizung an. Ich habe sie gestellt bekommen und konnte sie nach Abschluss der Tests übernehmen. Mein Risiko hielt sich also sehr in Grenzen.

natürlichZukunft: Die Brennstoffzelle ist jetzt seit 2013 bei Ihnen im Einsatz. Auch wenn die Technologie in Japan bereits seit Jahrzehnten erprobt ist, gehören Sie in Deutschland mit ihrem Modell zu den Vorreitern im Markt. In der Retroperspektive: Haben Sie sich damals richtig entschieden?

Herwig Marschelke: Ja, definitiv. Ich habe in meiner Heizung einen neuen Freund gefunden und bin froh, dass wir uns begegnet sind. Bisher ist nur ganz selten etwas dran gewesen, was aber schnell wieder behoben war. Bei neuer Technik sind ein paar „Kinderkrankheiten“ ja auch nicht ungewöhnlich.

natürlichZukunft: Sie haben damals einen Vollwartungsvertrag unterschrieben, oder? Zahlt er sich aus?

Herwig Marschelke: Meine Heizung hat bisher zum Glück nur leichte Probleme gehabt, unter anderem ein undichtes Druckregler-Ventil. Er zahlt sich aber auf jeden Fall aus, denn alle Probleme wurden im Rahmen dieses Service-Vertrags schnell und unbürokratisch behoben. Zudem ist einmal pro Jahr eine Wartung im Vertrag inbegriffen. Außerdem überwacht der Hersteller meine Anlage quasi kontinuierlich online, sodass der Service mögliche Defekte schon vor mir bemerkt. Auf dessen Know-how verlasse ich mich gerne.

natürlichZukunft: Wie viel des jährlichen Wärme- und Strombedarfs decken Sie mit der Brennstoffzellenheizung wirklich?

Herwig Marschelke: Die Heizung muss 22.000 kWh Wärme- und 6.000 kWh Strombedarf pro Jahr zumindest teilweise decken. Das funktioniert gut, wir selbst nutzen etwa 63 Prozent des Stroms, den Rest speisen wir ins öffentliche Stromnetz ein. Erwähnenswerter finde ich aber, dass wir mithilfe unserer neuen Heizung 540 Euro Stromkosten, knapp eine Tonne CO2 und etwa 6.300 kWh Energieverlust pro Jahr einsparen. Mit jeder Strompreiserhöhung, wie sie auch gerade wieder stattfindet, wird die finanzielle Seite außerdem immer attraktiver.

natürlichZukunft: Hat sich denn Ihre Energieeinsparung im Laufe der Jahre gesteigert, zum Beispiel, weil Sie mehr auf die Nutzung der Elektrogeräte zu bestimmten Zeiten achten?

Herwig Marschelke: Mit ein paar Tricks und Kniffen ist es mir gelungen, Geräte wie Kühlschränke und Wasch- sowie Spülmaschinen primär mit selbsterzeugtem Strom zu betreiben. Das ist wirtschaftlicher, als Strom einzuspeisen. Den Ansatz kennen Photovoltaik-Betreiber bereits, die ihren Strom auch selbst verbrauchen. Durch ein paar Überlegungen bezüglich des Heizungsbetriebs ist es zudem möglich, die Betriebszeit der Brennstoffzelle zu optimieren, damit ihre Vorteile der dezentralen Stromerzeugung möglichst gut genutzt werden.

natürlichZukunft: In Sachen Klimaschutz monieren Kritiker, dass die Brennstoffzellenheizung mit Erdgas betrieben wird. Wie stehen Sie dazu?

Herwig Marschelke: Die gasbetriebene Brennstoffzelle ist ein wichtiger Schritt in Richtung geringerer Ressourcenverbrauch, hoher Wirkungsgrad und letztlich auch CO2-Neutralität. Sie nutzt den Brennwert des Gases zu 100 Prozent. Aus 35 Prozent wird Strom, der Rest wird zum Heizen genutzt. Bei der herkömmlichen zentralen Stromversorgung verpufft der Rest einfach im Kühlturm, ein weiteres Drittel des Stroms auf dem Weg zum Verbraucher. Also sind wir im Vergleich bereits dreimal besser als ohne Brennstoffzelle. Natürlich ist das Gas heute noch zum Teil fossil, aber je größer der Biogas-Anteil ist, umso besser wird die ganze Sache. Es gibt kein Rezept, das alle Dinge auf einmal löst. Aber die Richtung stimmt, und das zählt.

natürlichZukunft: Wenn Sie sich heute für eine neue Heizung entscheiden müssten, welche Art würden Sie wählen?

Herwig Marschelke: Die Frage stellt sich aktuell zum Glück nicht, denn meine Brennstoffzelle funktioniert perfekt. Wenn ich „einfach nur so“ entscheiden sollte, wäre die Brennstoffzelle sicher wieder die erste Wahl, zumal die aktuell am Markt befindlichen Geräte noch mal ein ganzes Stück besser sind als meine Anlage. Falls allerdings eine neue, noch zukunftsweisendere Technologie um die Ecke kommt, dann bin ich gerne wieder zu einem Experiment bereit. Wichtig ist, dass die Heizung ihren Job macht, also heizt, und bestenfalls dann noch besonders effizient und umweltfreundlich ist.

natürlichZukunft: Zum Abschluss: Können Sie für uns die vergangenen Jahre mit Ihrer Brennstoffzellenheizung in maximal drei Sätzen zusammenfassen?

Herwig Marschelke: Die Brennstoffzellenheizung war ein Schritt in eine für mich neue und unbekannte Welt, den ich eigentlich nur mit Spieltrieb und Experimentierfreudigkeit sowie Offenheit für neue Technologien erklären kann. Ich habe viel gelernt, über mich, über das Heizen, über die Technik, über Wirkungsgrade und Energieverbrauch. Heute kann ich sagen: Alles richtig gemacht – und genau so mache ich weiter.

Vielen Dank für das Gespräch!

Informieren Sie sich hier über die Brennstoffzellenheizung bei Erdgas Südwest: www.erdgas-suedwest.de/brennstoffzelle.

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