Insektenhotel ProNatur

Insekten­hotels, die ideale Ergänzung eines natur­nahen Gartens

Bei Insektenhotels handelt es sich um selbst gebastelte oder fertig produzierte Vorrichtungen, in denen Insekten wie z.B. Wildbienen Nistplätze finden. Wir stellen vor, wann Insektenhotels sinnvoll sind und wie man sie am besten herrichtet. Denn die Insekten, die so wichtig für unsere Umwelt sind, sollen sich ja wohlfühlen.

Insekten erfüllen wichtige Funktionen in der Natur. Zum einen dienen sie selbst als Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von anderen Tieren. Zum anderen sichern Insekten die Bestäubung von Pflanzen, leisten Arbeit als Verwerter von Totholz und vieles andere mehr. Insekten sind daher ein nicht zu unterschätzender Faktor in unserem Ökosystem. Eine Welt ohne Insekten ist nicht vorstellbar, sogar die menschliche Existenz wäre gefährdet.

Fakt ist: Durch die ausgreifende menschliche Zivilisation werden die Lebensräume von Insekten immer weiter eingeschränkt. Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden auf den Äckern, pflegeleichte, teilbetonierte Gärten, Zersiedelung der Landschaft – die Phänomene sind bekannt und haben in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Artenvielfalt sondern zuletzt auch die gesamte Masse der Insekten an sich negativ beeinflusst. 

Dem möchten viele Menschen etwas entgegensetzen und Konkretes tun. Daher werden so genannte Insektenhotels immer beliebter, weil sie offenbar eine handfeste Möglichkeit bieten, das erworbene Umweltbewusstsein praktisch umzusetzen. Mit der Praxis ist es allerdings so eine Sache. Zwei Drittel der Wildbienen nisten zum Beispiel unterirdisch, die erreicht man gar nicht mit einer solchen Konstruktion. Letztlich geht es darum, Räume für Fortpflanzung und Aufzucht des Nachwuchses zu schaffen, und zwar derart gestaltet, dass sie auch wirklich angenommen werden. 

Insekten sind wählerisch

Insekten sind hochspezialisierte, auf bestimmte Naturnischen und deren Bedingungen angepasste Lebewesen. Viele Parameter müssen daher stimmen, damit sich diese Tiere wohlfühlen, ansiedeln, Nachwuchs großziehen usw. Das gilt natürlich auch für selbst gebaute Installationen, die man den Tieren im eigenen Garten anbietet. Deswegen muss man sich sehr genau informieren, wie solche Nisthilfen gestaltet werden müssen, damit sie überhaupt besiedelt werden.

Die wichtigsten Regeln für Bau und Betrieb eines Insektenhotels

Konstruktionen aus Holz und hohlen Pflanzenstängeln bestehen aus ganz unterschiedlichen Materialien in verschiedenen Größen, denn jede Insektenart hat ihre eigenen Bedürfnisse. Diese Materialien in Form von Röhren oder mit Löchern versehenen Baumstücken müssen sorgfältig behandelt werden. Die Tiere sind hochspezialisiert – wenn ein Bestandteil der Konstruktion nicht in ihr Suchraster passt, werden sie das Angebot nicht annehmen. 

So bearbeiten Sie hohle Pflanzenstängel (z.B. Bambus oder Schilf):

  • Stängel unmittelbar hinter einem Knoten schneiden.
  • Halme mit einer feinen Säge einkürzen.
  • Unsaubere Kanten mit Schleifpapier glätten.
  • Halme über Nacht in Wasser einweichen, dann splittern sie beim Sägen nicht so leicht.
  • Das Mark der Stängel entfernen, z. B. mit einer Schraube.
  • Halme bündeln, z. B. mit Bindfaden oder in einer Dose.
  • Die Röhren müssen auf einer Seite geschlossen sein.

So wird abgelagertes Hartholz (z.B. Esche, Buche oder Obstgehölze) vorbereitet:

  • Saubere Bohrungen sind unbedingt erforderlich. Wenn in den Röhren Holzfasern abstehen, werden die empfindlichen Tiere diese wegen Verletzungsgefahr nicht nutzen.
  • Späne entfernen, etwa durch Ausklopfen oder mit einem Pfeifenreiniger.
  • Oberflächen abschleifen, um Holzfasern an den Locheingängen zu entfernen.
  • Nie ins Stirnholz bohren, also nicht von oben in die Stammscheibe. Sonst bilden sich Risse, durch die Pilze und Parasiten eindringen.

Neben den verwendeten, sauber hergerichteten Materialien ist der Standort von entscheidender Bedeutung:

  • Er muss sonnig sein, trocken (also etwas überdacht) und windgeschützt.
  • Die offene Seite der Nisthilfe muss nach Südosten bis Südwesten ausgerichtet werden.
  • Die Einflugschneise muss frei sein.
  • Die Aufhängung muss stabil sein, denn die Nisthilfe darf nicht schwingen.

Insektenhotels sind nicht der Anfang, sondern der krönende Abschluss eines lebendigen, insektenfreundlichen Gartens.

Selbst gebaute Nisthilfen für Insekten nutzen wenig, wenn der sie umgebende Naturraum öde ist und den Tieren keine Möglichkeiten bietet, Nahrung zu finden. Ein Insektenhotel in einer Gartensteppe aus Rasen, Rosen, Steinen und Kiesel ist daher sinnlos. Den Tieren fehlen generell keine Nistmöglichkeiten, sondern vor allem artenreiche Naturräume mit Pflanzenvielfalt und entsprechenden Nahrungsangeboten. Wer also zusätzlich etwas für Insekten tun will, der gestaltet seinen Garten möglichst naturnah. Vor allem heimische Wildblüher oder Stauden bieten vielen Insektenarten eine nachhaltige Nahrungsgrundlage. Obendrein sind diese Gärten pflegeleicht, etwas wildromantisch und an die Umweltbedingungen in Mitteleuropa angepasst. Wenn der Garten derart umgestaltet wurde und es infolgedessen richtig brummt in den Blüten, dann kann ein Insektenhotel eine sinnvolle Ergänzung sein.

Links

Schöne Bauanleitungen für Insektenhotels finden Sie hier auf insektenhotels.de.
Ein Informationsangebot des NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. zum Thema gibt es hier auf www.nabu.de