Tankanzeige in einem Erdgasauto

Erdgas­autos: spar­same Alltags­helden mit Klima­schutz durch Bio­gas

Bezahlbar, alltagstauglich und umweltfreundlich – so muss aus Sicht vieler Menschen ein Auto sein. Unser Experte Florian Siebert stellt eine weithin unterschätzte alternative Antriebstechnik vor: Erdgas-Autos, die einen hohen Alltagsnutzen bieten und mit erneuerbarer Energie betrieben werden können.

Elektroautos bleiben attraktiv: Sie bieten die Möglichkeit, abgasfrei, effizient und lautlos unterwegs zu sein. Für viele Anforderungen sind die heute schon ideal geeignet – aber aus Sicht vieler Autokäufer bringen sie derart gravierende Nachteile mit sich, dass sie als Alternative zu Benzinern und Dieseln nicht in Frage kommen. Für alle, denen Elektroautos zu teuer, zu wenig reichweitenstark oder zu klein sind, stellen Erdgasautos eine interessante Alternative dar.

Was sind Erdgasautos?

Erdgasautos besitzen einen Verbrennungsmotor, der sowohl Benzin als auch Erdgas verbrennen kann. Sie besitzen einen Gastank und einen Benzintank. Sie werden auch als CNG(1)-Fahrzeuge bezeichnet und können statt mit fossilem Erdgas auch mit Biomethan oder mit Gas aus dem Power-to-Gas-Verfahren betankt werden.

Gas aus Power-to-Gas-Anlagen findet man an Erdgastankstellen heute noch nicht.(2) Biomethan-Beimischungen werden allerdings schon an der Hälfte der deutschen Erdgastankstellen angeboten. Ein Drittel der Erdgastankstellen bietet sogar schon reines Biomethan an.(3) Somit ist es möglich, im Erdgasauto einen Kraftstoff zu nutzen, der vollständig aus erneuerbaren Energien – besonders aus Abfall und Reststoffen – stammt. Der Benzintank wird nur zum Motorstart sowie als Reichweitenverlängerer gebraucht, falls mal keine Erdgastankstelle in der Nähe ist. 

Sparfüchse für jedes Budget

Als Neuwagen kosten Erdgasautos etwa so viel wie vergleichbare Diesel. Ihren wahren Vorteil spielen sie jedoch an der Tankstelle aus: Schon bei geringen Laufleistungen verursachen sie deutlich geringere Kraftstoff- und auch gesamthafte Unterhaltskosten als Benziner oder Diesel(4). Biomethan ist dabei übrigens etwa gleich teuer wie Erdgas aus fossilen Quellen.(5) Es kostet seit Jahren stabile 1,10 €/kg. Das liegt an der Treibhausgasminderungsquote, die Biomethan-Tankstellen zusätzliche Einnahmen bescheren und es so ermöglichen, den erneuerbaren Kraftstoff Biomethan auf demselben Preisniveau wie fossiles Erdgas anzubieten. Da in einem Kilogramm Erdgas allerdings etwa 1,5 mal so viel Energie enthalten ist wie in einem Liter Benzin, entspricht der Erdgaspreis in Bezug auf seinen Energieinhalt einem Benzinpreis von 0,70 €/l.(6)

Erdgasautos sind wertstabiler als Dieselfahrzeuge (7) und bewegen sich auf dem Gebrauchtmarkt etwa auf dem Preisniveau von Benzinern. So sind vier Jahre alte und ca. 80.000 km gelaufene Erdgas-Kleinwagen ab 7.000 € zu haben, während gleich alte und gut ausgestattete Erdgas-Kombis ab ca. 12.000 € den Besitzer wechseln. Der Vergleichsrechner der Seite „kraftstoffvergleich.de“ erlaubt es übrigens, die tatsächlichen Betriebskosten von Neu- und Gebrauchtwagen mit den verschiedensten Antriebstechnologien zu berechnen und miteinander zu vergleichen(8).

Alltagshelden für alle Strecken

Es gibt Erdgasautos für jeden Bedarf: Von Stadtflitzern wie dem Fiat Panda, Kleinwagen wie dem VW Polo, Kompaktwagen wie dem Skoda Scala, Kombis wie dem Audi A4, Hochdachkombis wie dem Fiat Doblo bis hin zu Transportern und LKWs ist für (fast) jeden Anspruch ein passendes Erdgasauto im Angebot. Die Nachfolgemodelle wichtiger Baureihen wie dem VW Golf, dem Audi A3, dem Skoda Octavia und dem VW Caddy kommen übrigens in den nächsten Monaten ganz frisch auf den Markt. Eine aktuelle Fahrzeugübersicht findet sich zum Beispiel auf der Seite von „Zukunft Erdgas“(9).

Die typische Reichweite von Erdgasautos liegt im Erdgasbetrieb bei ca. 400 bis 500 km und im Benzinbetrieb bei 100 bis 200 km. In Deutschland gibt es heute ca. 850 Erdgastankstellen, in ganz Europa ca. 3.500. Vor der Anschaffung eines Erdgasautos sollte man also prüfen, ob in der Nähe des Wohnorts oder entlang einer Pendelstrecke eine Erdgastankstelle vorhanden ist. Bei längeren Strecken über die Autobahn finden sich immer ausreichend Tankstellen. Hier bedarf es nur etwas mehr Planung als bei einem Benziner oder Diesel, weil Erdgas nicht an allen Tankstellen zu haben ist – entsprechende Apps und Funktionen im Navigationssystem erledigen die Suche aber sehr gut. Der Tankvorgang dauert übrigens wie für Benzin und Diesel nur wenige Minuten.

Öko-Autos über den gesamten Lebenszyklus

Im Alltag vereinen Erdgasautos die Langstreckentauglichkeit eines Diesels mit einer extrem sauberen Verbrennung, die sogar weit weniger Schadstoffe wie Stickoxide, Rußpartikel usw. verursacht als Benziner. Erdgasautos erfüllen mit Leichtigkeit alle geltenden Abgasnormen, sind nirgends von Fahrverboten betroffen und haben einen sehr leisen Motorlauf.

In der Herstellung verursachen Erdgasautos deutlich weniger Treibhausgas-Emissionen als die sonst so umweltfreundlichen Elektroautos, weil besonders die Batterieproduktion relativ viel Energie verbraucht und zudem u.a. seltene Erden gebraucht werden. Im Betrieb stoßen mit Biomethan betriebene Erdgasautos nur sehr geringe so genannte Vorkettenemissionen aus, weil Biomethan als erneuerbare Energie einen geschlossenen Treibhausgas-Kreislauf ermöglicht. Biomethan, das für die Nutzung in Erdgasautos eingesetzt wird, wird im Wesentlichen aus Bioabfällen und Gülle hergestellt. Die während des Fahrbetriebs entstehenden CO2-Emissionen entsprechen genau der Menge CO2, die zuvor von den zu Biomüll gewordenen Pflanzen aufgenommen wurde. Die Nutzung von Gülle ermöglicht sogar negative Treibhausgas-Emissionen., Durch die Verbrennung des in Gülle vorhandenen Methans im Motor wird dieses zu CO2 umgewandelt und ist somit deutlich weniger schädlich für die Atmosphäre als die direkte Ausbringung der Gülle auf das Feld. Nach einer Studie u.a. des Fraunhofer-Instituts stoßen mit Biomethan betriebene Fahrzeuge über ihren gesamten Lebenszyklus – von der Produktion bis zur Verschrottung – weit weniger Treibhausgase als Benziner oder Diesel und sogar leicht weniger Treibhausgase als Elektroautos aus, selbst wenn diese mit Ökostrom betrieben werden(10).

Erdgasautos sind die Alternative

Die Diskussion über klimaschonende Alternativen im Bereich Mobilität hat sich zuletzt stark auf die batterieelektrischen Fahrzeuge konzentriert. Dabei sind Autos mit Gasantrieb unverdient aus dem Blickfeld geraten. Insbesondere unter Verwendung von Biomethan sind Erdgasautos jedoch eine Alternative zu Diesel und Benziner, die seit langem gut funktioniert.

Belege
(1) CNG = Compressed Natural Gas (engl. für komprimiertes Erdgas)
(2) Dieses Verfahren wurde allerdings schon von Audi getestet (https://www.audi-technology-portal.de/de/mobilitaet-der-zukunft/audi-future-lab-mobility/audi-future-energies/audi-e-gas), ist allerdings deutlich teurer als die Nutzung von Biomethan als Kraftstoff.
(3)  Vgl. https://zukunft.erdgas.info/gas-statistik/kenndaten-mobilitaet 
(4) Vgl. https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/autokosten/erdgas-verbrenner-kostenvergleich/ 
(5) Das liegt an der Treibhausgasminderungsquote, die Biomethan-Tankstellen zusätzliche Einnahmen bescheren und es so ermöglichen, den erneuerbaren Kraftstoff Biomethan auf demselben Preisniveau wie fossiles Erdgas anzubieten. Vgl. https://www.bmp-greengas.de/einsatz/kraftstoff/ 
(6)  Vgl. https://zukunft.erdgas.info/gas-statistik/kenndaten-mobilitaet 
(7)  Vgl. https://www.gibgas.de/Blickpunkt/FAQs#a8 
(8)  Vgl. https://www.kraftstoffvergleich.de/vergleichsrechner.html 
(9)  Vgl. https://www.erdgas.info/fileadmin/Public/PDF/erdgas_mobil/Erdgas_Fahrzeuge_Uebersicht.pdf 
(10)  Vgl. https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/cce/2019/klimabilanz-kosten-potenziale-antriebe-pkw-lkw.pdf, S. 23


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