Ettlingen, 20.01.2017

Die EnBW-Tochter macht in Grün

Die Ettlinger Erdgas Südwest veredelt auch Biogas und bietet autarke Energielösungen

Alles ganz schön grün hier bei der Erdgas Südwest GmbH in Ettlingen: Am Eingang grüßt die Werbe- Kuh nicht in der Farbe Lila, sondern in Grün. In der Umweltfarbe sind auch Sofa, Schilder und Etiketten des hauseigenen Honigs – ein Give away – gehalten. Das Tochterunternehmen des Karlsruher EnBW-Konzerns, der 79 Prozent der Anteile hält, fährt auf grüne Themen ab.

Zur Ausgangssituation: Bereits das seinerzeitige Badenwerk hat mit seiner Infrastruktur den ländlichen Raum mit Erdgas versorgt. 2004 wurde Erdgas Südwest gegründet. „Uns war klar, dass wir ,erneuerbar‘ werden wollen“, sagt Geschäftsführer Ralf Biehl, der seit Beginn dabei ist. Erdgas ist mit seinen Emissionen zwar relativ umweltfreundlich, aber auch ein fossiler und somit nicht unerschöpflicher Energieträger. Außerdem ist da die Abhängigkeit von Russland und Norwegen als große Lieferanten.

Deswegen kooperiert das Unternehmen mittlerweile mit 50 Landwirten, die aus Mais, Gülle und Dauergrünlandpflanzen Biogas erzeugen. Erdgas Südwest veredelt dieses in eigenen Anlagen in Riedlingen und Burgrieden zu sogenanntem Bio-Erdgas. Der Verbraucher merke keinen Unterschied. Künftig wolle man den Anteil von Bio-Erdgas, das aus Bioabfällen und Reststoffen der Industrie entsteht, erhöhen. Der Vorteil: Auch Bio-Erdgas lässt sich im 4 200 Kilometer langen Leitungsnetz des 100-prozentigen Tochterunternehmens Netze Südwest speichern.

Die Krux ist: Bio-Erdgas ist noch vergleichsweise teuer und hat daher bei Erdgas Südwest bislang nur einen Anteil am Absatz, den Biehl mit zehn Prozent angibt. Aber man sei bei immer wichtiger werdenden technischen Themen – so kann auch Wind- und Sonnenenergie umgewandelt im Erdgasnetz gespeichert werden – dabei.

2015 jagte Erdgas Südwest 3,406 Milliarden Kilowattstunden Gas durchs Leitungsnetz und versorgte 69 300 Kunden in Nordbaden und Oberschwaben. 130,5 Millionen Euro wurden in diesem recht warmen Jahr erlöst. Für 2016 rechnet Biehl letztlich mit einer vergleichbaren Größenordnung. „Der Trend geht zu erneuerbaren Energien – und da stehen wir im Wettbewerb“, sagt Ingenieur Biehl (56), der aber auch das Handwerk des Gas- und Wasserinstallateurs erlernt hat. Solarthermie und Wärmepumpen sind zwei Stichwörter.

Hinzu kommt, dass die Verbraucher zunehmend ihre Häuser dämmen und alte Kessel durch effiziente Gasbrennwert- Thermen austauschen. Die daraus resultierende Ersparnis beim Energieverbrauch spürt die Tochter der EnBW und der OEW Energie-Beteiligungs GmbH.

Deswegen stellt sie sich auch noch breiter auf. Mit der Dienstleistung „biotark“ bietet Erdgas Südwest Privathaushalten, Firmen und Kommunen an, bei der Energieversorgung unabhängig zu werden. Planung, Bau, Betrieb, Steuerung und Vernetzung von energetischen Anlagen sind hier Stichworte des jungen Tochterunternehmens AutenSys GmbH, an dem die Erdgas Südwest mit 65 Prozent die Mehrheit hält. Der weitere Partner ist das Ingenieurbüro ID Dresen & Birg. Biehl spricht von interessanten staatlichen Zuschüssen. 50 Kunden ließen sich bereits auf dem Weg zu einem autarken Eigenversorger begleiten.

Parallel investiert das Unternehmen mit seinen 148 Mitarbeitern bis 2020 rund 38 Millionen Euro in den Leitungsbau. Die Strategie passt wie maßgeschneidert zu der des Mutterkonzerns EnBW. Auch dieser hat in den vergangenen Jahren sein betriebswirtschaftlich stabiles Fundament Erdgas erheblich verbreitert – vor allem durch die mehrheitliche Übernahme des großen Erdgas- Spezialisten VNG in Leipzig.

Quelle: Dirk Neubauer, BNN