Schwimmende Photovotaikanlage auf einem Baggersee in Baden-Württemberg

Face­book Comm­unity fragt – Erd­gas Süd­west ant­wor­tet: Schwim­mende Photo­voltaik­anlage

Eine Photovoltaikanlage, die auf einem Baggersee schwimmt, wird gerade von Erdgas Südwest errichtet und befindet sich kurz vor der Fertigstellung. Dieses in Deutschland einzigartige Projekt hat in unserer Facebook-Community viele Fragen ausgelöst, die wir mit diesem Artikel aufgreifen und beantworten.

Unsere Beiträge auf Facebook lösen teilweise umfangreiche Diskussionen aus. Das ist gut und richtig und zeigt uns, dass die Themen, die wir ansprechen, viele Menschen beschäftigen. Im Verlauf der Diskussion stellen Nutzer oft Fragen zu dem jeweiligen Sachverhalt. Oder es werden Sachverhalte dargestellt, die so nicht zutreffen und die wir gerne richtigstellen würden. So war es auch bei einem Beitrag, in dem wir über unser Projekt berichtet haben, eine große, auf einem Baggersee schwimmende Photovoltaikanlage zu errichten. Einige Fragen, die bei Facebook dazu gestellt wurden, erfordern umfangreichere Antworten, da die Sachverhalte relativ komplex sind. Deshalb haben wir ausgewählte Fragen und Antworten zu diesem Artikel hier in unserem Blog aufbereitet. Damit stehen diese auch anderen Nutzern zur Verfügung. Wenn ihr weitere Fragen habt, bitte unser Kontaktformular nutzen, wir antworten gerne.

Facebook-Kommentar: 

PV ist wetterabhängig! Das ist keine zuverlässige Stromerzeugung. Ohne Sonne keinen Strom. Und Sonne fehlt nicht nur nachts sondern, sie fehlt oft auch tagelang. Zurück bleibt eine Menge Sondermüll.

Erdgas Südwest antwortet: 

Ja, es ist richtig, dass die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen abhängig vom Wetter ist. Dass aber Photovoltaik nur funktioniert, wenn die Sonne bei wolkenlosem Himmel scheint, ist nicht korrekt. Auch wenn es bewölkt ist, produzieren PV-Anlagen Strom. Natürlich viel weniger, aber sie produzieren. Den höchsten Wirkungsgrad haben PV-Module übrigens an sonnigen, aber kühlen Tagen, also im Frühjahr oder Herbst.

Zudem sind Solarmodule kein Sondermüll sondern werden vom Gesetzgeber als  Elektroschrott definiert. Gemäß Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) müssen PV-Module zwingend recycelt werden. Zuständig für die Entsorgung sind in der Regel die Hersteller und Importeure der Solarmodule. Diese müssen sich zudem vor Inverkehrbringen der Module bei der Stiftung ear (Elektro-Altgeräte Register) registrieren. Sie müssen die Module dann kostenfrei übernehmen und entsprechend einem Recyclingverfahren zuführen. In einem solchen Recyclingverfahren werden die Solarplatten zerlegt, Glas, Aluminium, Silber, Silizium, Kunststoff und Kupfer getrennt und teilweise zu neuen Solarpanels verarbeitet. 

Facebook-Kommentar:

Noch mehr Abundzustrom obendrauf zu installieren schadet der Umwelt und mehr noch der Glaubwürdigkeit.

Antwort:

Dass unsere Anlage der Umwelt schadet, können wir nicht erkennen. Im Gegenteil: Jeder Quadratmeter installierter Photovoltaikmodule nutzt der Umwelt erheblich, weil dafür irgendwo der CO2-Ausstoß  langfristig reduziert werden kann. Glaubwürdig ist dieses Projekt auch deshalb, weil sich die Anlage in einer sonnenreichen Region befindet. Außerdem passt das Profil der Anlage gut zum Stromverbrauch vor Ort, denn die Bagger arbeiten tagsüber, also genau dann, wenn die Module Strom erzeugen. Durch die räumliche Nähe werden außerdem viele Ressourcen eingespart, die man zum Beispiel für den überflüssigen Leitungsbau benötigt.

Facebook-Kommentar:

Was passiert wenn diese [Wasserfläche] renaturiert werden soll? Baut ihr dann eure Anlagen ab?

Antwort:

In der wasserrechtlichen Erlaubnis für die Anlage ist dieser Fall genau bedacht worden. Sollte der Betrieb eingestellt und die Baggeranlagen abgebaut werden, muss auch unsere schwimmende PV-Anlage zurückgebaut werden.

Facebook-Kommentar:

Wie will man die [schwimmenden PV-Module] sauber halten? Ich denke an Algen etc.

Antwort:

Ja, an den Schwimmkörpern, die sich im Wasser befinden, können sich Algen bilden. Das betrifft allerdings nicht die PV-Module, die den Strom erzeugen. Die befinden sich ja über dem Wasser und von daher ist nicht damit zu rechnen, dass eine Algenbildung eintritt, die die Leistung beeinträchtigt. Wie bei PV-Modulen an Land sorgt der Regen und die Neigung der Module für eine natürliche Reinigung von Staub usw. Das schließt allerdings im Fall von starker Verschmutzung eine dann notwendige Reinigung nicht aus. 

Facebook-Kommentar:

Da bin ich etwas zwiegespalten. Auf rein technischen Wasserflächen (wie Pumpspeicherseen), wo ohnehin keine Tiere und Pflanzen hinsollen, habe ich mit der Idee keine Probleme. Auf kleinen Teilflächen auf Seen (egal ob natürlich oder menschlich geschaffen) kann das in gewisser Weise ausgeführt durchaus vorteilhaft für Fische und andere sein. Großflächig sehe ich da negative Einflüsse auf das Gewässer, insbesonders auf die Miktik bei tieferen Gewässern, wie es unsere Baggerseen in der Regel sind. Gibt es da schon Einschätzungen aus limnologischer Sicht?

Antwort:

Prinzipiell ist es bei solchen Projekten vorgeschrieben, dass natur- und artenschutzrechtliche Belange berücksichtigt werden. Daher werden solche Fragen im Genehmigungsprozess gestellt und entsprechende Gutachten beauftragt. Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde auf der Basis limnologischer Erkenntnisse, also der Wissenschaft von der Ökologie der Binnengewässer. Es wurden daher für diese Anlage gutachterliche Stellungnahmen aus gewässerökologischer und fischereirechtlicher Sicht sowie eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung und eine Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung eingeholt. All diese Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass durch die Anlage keine erheblichen Beeinträchtigungen für Fauna und Flora zu erwarten sind. Das ist unter anderem dadurch begründet, dass die Anlage einen Abstand zum Ufer von mindestens 50 Meter aufweist, dem bevorzugten Aufenthaltsort der Tiere an einem solchen Gewässer. Außerdem bedeckt die Anlage nur etwa 2% der Seefläche. In dem Gewässer herrschen zudem Wassertiefen von über 20 Meter vor, weshalb keine Beeinträchtigungen der Wasserflora zu erwarten sind. Durch den Abstand zum Ufer sowie die geringe Fläche sind auch keine erheblichen Auswirkungen auf die Miktik, also die Durchmischung bzw. Zirkulation des Seewassers, zu erwarten. 

Facebook-Kommentar:

Kann der Baggersee zufrieren und was passiert dann mit der PV-Anlage?

Antwort:

Ja, der See kann natürlich zufrieren, aber das beeinträchtigt die Anlage nicht. Die Module und Verkabelungen befinden sich oberhalb der Wasseroberfläche. So befindet sich die Kabelführung von der Solarinsel zum Land in einem Flexrohr und liegt somit nicht im Wasser. Der Hersteller der Schwimmkörper gibt an, dass eine Eisbildung auf dem Gewässer kein Problem für diese Elemente darstellt.

Facebook-Kommentar:

Kann sich die PV-Anlage auf dem Wasser bewegen?

Antwort:

Die Insel mit den PV-Modulen ist durch mehrere Stahlseile und Erdanker am Ufer befestigt. Die Verbindungsseile sind so auslegt, dass sich die Insel auf dem Baggersee leicht bewegen und mögliche Schwankungen des Wasserspiegels ausgleichen kann.

Facebook-Kommentar

Sie liefern das Potential noch komplizierterer und teurer Netzregulierungsmaßnahmen.

Antwort:

Das können wir nicht erkennen. Die Anlage wird wie jede andere PV-Anlage an das Netz angeschlossen. Durch die enge räumliche Verbindung mit dem Kieswerk tritt sogar der gegenteilige Effekt ein. Denn der erzeugte Strom wird direkt vor Ort durch die dortigen Maschinen genutzt. Er braucht also gar nicht in das Netz eingespeist werden. Nur die Menge des Stroms, die darüberhinaus erzeugt wird, wird ins Netz eingespeist. Die Anlage entlastet also das Netz und stabilisiert es.

Video über die Anlage in Renchen

Links

Bei Facebook befindet sich die Fanpage der Erdgas Südwest hier: www.facebook.com/erdgassuedwest

Detaillierte Informationen zu dem Projekt der Erdgas Südwest, eine schwimmende PV-Anlage auf dem Baggersee des Kieswerks Ossola im badischen Renchen zu installieren, befinden sich hier: www.erdgas-suedwest.de/pressemeldung/photovoltaik-auf-wasser.