12.03.2018

Wie geht es weiter mit dem Biogas?

Runder Tisch für Landwirte

Die neue Düngeverordnung und das EEG 2017 stellen Landwirte und Biogasanlagenbetreiber vor neue Herausforderungen. Der Energiedienstleister Erdgas Südwest hat Betroffene an einen Tisch geholt und mit ihnen über Lösungen gesprochen.

Mit der neuen Düngeverordnung wolle der Gesetzgeber erreichen, dass die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft deutlich reduziert werden und ein Gleichgewicht zwischen Nährstoffbedarf und Düngerausbringung geschaffen wird, erklärte Michael Ziesel vom Landwirtschaftsamt Biberach. Die neuen Regelungen treffen die Landwirtschaft, aber auch die Biogasbranche deutlich. Organische Düngemittel, wie zum Beispiel Gülle und Gärreste, müssen in Zukunft durch festgelegte Obergrenzen auf mehr Fläche verteilt werden. Die Art der Ausbringung sowie Sperrfristen der Ausbringung, die plausibilisierte Nährstoffbilanz und die Stoffstrombilanzierung stellen die Landwirtschaft vor organisatorische und finanzielle, aber auch technische Herausforderungen. Die beiden Bilanzierungen berechnen die Düngemengen zum einen in Bezug auf die Flächen, zum anderen in Bezug auf den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb. Hilfe bieten die Ansprechpartner in den Landwirtschaftsämtern, versicherte Ziesel.

Wie es mit dem Betrieb der Biogasanlagen nach Auslaufen der EEG-Förderung weitergehen kann, erläuterte Tatiana Demeusy, Biogasexpertin bei der Erdgas Südwest. Sie stellte vier verschiedene Möglichkeiten mit Vor- und Nachteilen vor – Stilllegung, Weiterbetrieb der Vor-Ort-Verstromung mit Anschlussförderung nach EEG 2017, Aufbereitung und Einspeisung sowie das Verflüssigen von Biomethan. Das Unternehmen, das selbst vier Aufbereitungsanlagen betreibt und die erste Verflüssigungsanlage plant, sieht in den grünen Gasen ein enormes Potenzial. Diese können bedarfsgerecht im Strommarkt, Wärmemarkt, in der Industrie und im Mobilitätsmarkt eingesetzt werden.

Dass jeder Kunde zu jeder Zeit genug Energie hat, darum kümmert sich Sönke Thau, Leiter des Zentralen Energiemanagements der Erdgas Südwest. Er ist der Ansicht, dass sich das deutsche Energiesystem stark verändern wird. Wenn der derzeitige Strombedarf komplett mit erneuerbarem Strom gedeckt werden soll, brauche es aufgrund der starken Schwankung der Erzeugung von erneuerbaren Energien einen Markt, der Leistung und Flexibilität honoriert. Werde der All-Electric Ansatz der Politik weiter verfolgt, wachse die Notwendigkeit dieser Veränderung. Der Strompreis von derzeit rund 3,5 Cent pro Kilowattstunde werde deutlich teurer werden, wobei es sich abzeichne, dass es mehr Strompreisspitzen, aber auch mehr negative Strompreise geben wird. Weil Erdgas Südwest an diese Entwicklung glaube, arbeite das Unternehmen an einem virtuellen Kraftwerk, um Erzeuger und Verbraucher flexibel zu vernetzen. Gleichzeitig baut es sein Direktvermarktungsgeschäft weiter aus, das heißt, es übernimmt auch schon für Kleinstanlagen die Vermarktung des erzeugten Stroms und arbeitet an der Flexibilisierung von Biogasanlagen. Das gleiche Konzept - nur regionaler und persönlicher - verfolgt das Unternehmen auch mit seiner Beteiligung an der Regionah Energie, die Erzeuger und Verbraucher auf einer Plattform zusammenbringt.

Johannes Klaus von der bmp greengas, Tochterunternehmen der Erdgas Südwest und einer der größten Vermarkter von Biomethan, erläuterte den Biomethanmarkt und stellte Zukunftsperspektiven von grünen Gasen vor. Das Unternehmen ist überzeugt, dass diese einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen können. Denn die bereits vorhandene Gasinfrastruktur biete ein großes Speichervolumen und sei die optimale Ergänzung zu den anderen erneuerbaren Energien.

Schließlich stellte Winfried Vees, Energielandwirt des Jahres 2016 und Betreiber des Energiehof Weitenau, Biomethan als Treibstoff für die Landwirtschaft vor. Er betreibt eine Biomethan-Tankstelle auf seinem Hof. Er ist vom grünen Gas im Tank überzeugt und sieht darin nicht nur für den Privatwagen, sondern auch für landwirtschaftliche Maschinen großes Potenzial. Klimaschutz und Ressourcenknappheit verlangten auch ein Umdenken in der Landwirtschaft. Immerhin sechs Prozent des gesamten Dieselbedarfs in Deutschland könnten mit dem in Deutschland erzeugten Biogas/Biomethan aus Gülle und Festmist ersetzt werden, so Vees. Das Potenzial liege sogar deutlich höher. Mit dem Einsatz der neuen Landmaschinen, die mit Bio-CNG fahren, könne der CO2-Ausstoß in der Landwirtschaft deutlich reduziert werden.

Das Unternehmen Erdgas Südwest, das nicht nur Erdgas, sondern auch Strom und Dienstleistungen anbietet, machte außerdem auf sein Projekt „Blühoase“ aufmerksam. Landwirte, die mit Erdgas Südwest zusammenarbeiten, erhalten Saatgut für bis zu einen halben Hektar, um der Biodiversität Vorschub zu leisten. Auch der NABU sucht Landwirte für eine Partnerschaft zur Ausbringung von Wildpflanzen. Hier stellt das Unternehmen gerne den Kontakt her.