Maselheim, 16.02.2017

Energie-Zukunft schon heute

Maselheim ebnet der Brennstoffzelle den Weg

Was der Bauer nicht kennt... – so sagt es ein altes Sprichwort. Aber in Maselheim im Landkreis Biberach ist das anders: besonders in energetischer Hinsicht pflegt die Gemeinde ihren Ruf als Vorreiter und Vorbild. Man sieht sich in der Pflicht als Kommune, Verantwortung zu übernehmen und moderne Energietechnologie voran zu treiben. Zu diesem Zweck hat man nun gemeinsam mit dem Energiepartner Erdgas Südwest je eine Brennstoffzelle in Rathaus und Grundschule eingebaut. Dort sollen diese als besonders effizient geltenden Kraft-Wärme-Kopplungssysteme nun ihr Potential als Motor für die Energiewende unter Beweis stellen.

Auf den ersten Blick wirkt das idyllische Maselheim wie einer von vielen, etwas verträumten oberschwäbischen Orten, der mit wenig Industrie, zahlreichen Vereinen und gepflegten Gärten ein ruhiges Zuhause bietet. Sieht man jedoch genauer hin, so fällt einem auf, dass man hier mit einem Fuß stets schon im Morgen steht: 1991 wurde Elmar Braun als erster grüner Bürgermeister Deutschlands ins Amt gewählt und ist bis heute bereits dreimal wiedergewählt worden. Beim Bau des neuen Rathauses vor 17 Jahren orientierte man sich an den neusten Standards. 2011 erhielt die Gemeinde mit insgesamt 4500 Einwohnern in vier Teilgemeinden das erste Mal den European Energy Award. 2016 hat sie ihr Abschneiden nochmals verbessert und wurde dafür erneut mit dem Preis ausgezeichnet. Und nach Photovoltaik und Wärmepumpen haben in diesem Jahr auch zwei als Pilotprojekt geplante Brennstoffzellen als neuste Energietechnologie in Maselheim ihren Betrieb aufgenommen. Man geht besonders energetisch deshalb nicht nur mit der Zeit – man versucht ihr sogar etwas voraus zu sein.

Brennstoffzellen als kommunale Lösungen

Das Energieteam von Maselheim, ein den Gemeinderat unterstützender Ausschuss aus sachkundigen Ratsmitgliedern und Bürgern, befasst sich naturgemäß intensiv mit der Herausforderung der angestrebten Energiewende, modernen Technologien und zukunftsfähigen Energielösungen. „Maselheim soll eine Gemeinde mit Zukunft sein. Dazu gehört gerade in der heutigen Zeit vor allem, dass man sich mit Thematiken wie erneuerbaren Energien, modernen Technologien und Umweltauswirkungen auseinandersetzt. Nicht, weil das auch vom Gesetzgeber eingefordert wird, sondern weil wir erkannt haben, dass es richtig und wichtig ist, diese Dinge jetzt anzugehen. Damit wir in eine lebenswerte und mannigfaltige Zukunft blicken können”, so Elmar Braun.

Als der Energiedienstleister Erdgas Südwest Brennstoffzellen als Lösung für kommunale Energiefragen präsentierte, war man sich daher schnell einig, dass man diesem Pilotprojekt eine Chance geben wollte. Der Gemeinderat stimmte sogar dem Einbau von gleich zwei Brennstoffzellen zu. Eine wurde im Rathaus installiert und deckt nun die Grundlast des Gebäudes ab. Die andere sorgt in der Grundschule für Strom und Warmwasser.

Eine zukunftsträchtige Technologie

„Brennstoffzellen sind kleine Kraftwerke, die mit wenig Wartungsaufwand und beinahe emissionslos einen höheren elektrischen Wirkungsgrad erreichen, wie ihre großen Verwandten, also zum Beispiel Kohle- oder Kernkraftwerke”, erklärt Ingo Landthaler, Kommunalberater bei Erdgas Südwest und als Maselheimer Mitglied im Energieteam. „Das heißt im Grunde nichts anderes, als dass eine Brennstoffzelle im Verhältnis viel Strom, aber wenig Wärme liefert. Deshalb eignet sich diese Technologie zum Beispiel so gut für kommunale Gebäude: hier haben wir in der Regel eine relativ konstante Grundlast, aber nur einen geringen Wärmebedarf.” Betrieben wird eine solche Brennstoffzelle mit Erdgas- oder Biomethan. Da aber kein Verbrennungsvorgang, sondern lediglich eine chemische Reaktion statt findet, ist die erzeugte Energie nahezu emissionsfrei. Als Abfallprodukt entsteht fast nur Wasser und die bei der Reaktion entstehende Wärme kann als Nebenprodukt in den Heizkreislauf eingespeist oder zur Warmwassergewinnung genutzt werden. Wer nun an eine große Apparatur denkt, die viel Platz im Heizkeller einnimmt, der täuscht sich. Eine Brennstoffzelle ist trotz hoher Leistung nicht viel größer als eine Waschmaschine.

Die Technologie gilt als einer der wichtigsten Bausteine in Sachen Energiewende. Aus diesem Grund fördern sowohl der Bund wie auch das Land Baden-Württemberg die Brennstoffzellen. Unter dem Titel „Energiewende im Heizungskeller” sind verschiedene Maßnahmen gebündelt, die den Einbau von Brennstoffzellen zur effizienteren Energieversorgung durch Zuschüsse voran bringen soll.

Energetisch aufgeweckt: Maselheim als Vorbild für andere

„Natürlich war auch die Förderung durch das Land ein zusätzlicher Anreiz. Aber solche Projekte müssen aus Überzeugung umgesetzt werden. Ob sich die Anlage schon in sieben oder vielleicht erst in zehn Jahren amortisiert, das ist nicht entscheidend. Es geht darum eine neue, vielversprechende Technologie so voran zu bringen, dass sie in Zukunft helfen kann, unsere Energiefragen und –probleme zu lösen”, erläutert Kämmerin Marion Bailer. Schon beim Neubau des Rathauses entschied man sich nicht für die günstigste, sondern die fortschrittlichste Lösung. Das zahlt sich heute aus, denn aufgrund guter Dämmung und entsprechender weiterer Maßnahmen sind die Energiekosten jetzt sehr gering. „Verantwortungsvoll handeln heißt: sich an die eigene Nase fassen und über den Tellerrand hinaus schauen”, so Braun, „D as Thema Energienutzung muss gesamthaft betrachtet werden: wertvolle Synergien müssen gefördert und Bausubstanzen, Abläufe und Systeme stetig weiter optimiert werden.”

Dieser ganzheitliche Ansatz macht die Umsetzung natürlich bisweilen schwieriger, doch man ist sich sicher, dass es der richtige Weg ist, auf dem man beständig und auch durch kleine Maßnahmen voranschreitet. Zuletzt hatte man entschieden, die Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED umzustellen und spart damit rund 20 000 Euro Stromkosten ein. Und auch auf den nun bereits zum zweiten Mal erhaltenen European Energy Award blickt man mit Stolz. Nicht wegen dem kleinen Pokal, sondern weil die Auszeichnung das große Engagement der Gemeinde dokumentiert, über sechs Handlungsfelder hinweg ökologisch zu agieren. Dazu gehören Projekte wie die Brennstoffzellen ebenso wie kleinere Maßnahmen, etwa die Begrünung von Dächern, das Einrichten von Fahrradstellplätzen oder das Pflastern der Parkplätze mit wasserdurchlässigen Steinen. Der Bürgermeister selbst beschäftigt sich schon lange mit Brennstoffzelle, Photovoltaik und Co. In seiner Position als Gemeindeoberhaupt sieht er sich verpflichtet, auch einer Vorbildfunktion nachzukommen: „Wir als Gemeinde wollen Vorreiter und Vorbild sein. Es ist unsere Aufgabe als Kommune, modernen Technologien und damit einer lebenswerten Zukunft den Weg zu bereiten.”

Gemeinde bedeutet gemeinsam für die Gemeinschaft

Die Bodenhaftung verliert man aber bei aller Zukunftsorientierung nicht. Auch die Wirtschaftlichkeit muss gewährleistet sein. Zwar ist man bereit zu investieren, doch die Kosten-Nutzen-Rechnung muss aufgehen. Nicht zuletzt deshalb ist man dankbar und verlässt sich gern auf die fachkundige Beratung der Energieexperten von Erdgas Südwest. Die Mitarbeiter des Unternehmens stammen selbst aus der Region und verstehen daher umso besser die Menschen wie auch die energetischen Anforderungen vor Ort. „Mir mieesset noch itte mol Hochdeitsch schwätzea”, flachst der Bürgermeister – man versteht sich eben einfach. „Zu viel Bürokratie verlangsamt nur alle Abläufe. Kurze Wege, persönlicher Kontakt, daraus ergibt sich eine gute Zusammenarbeit.” Und großer Zusammenhalt, wie sich auch bei den Hochwassern diesen Sommer zeigte. Wiederholt sorgten Unwetter und Niederschläge im Mai und Juni für überflutete Straßen und Sportplätze, vollgelaufene Keller und verwüstete Gärten und brachten die sonst recht beschaulichen, kleinen Flüsse Dürnach und Saubach dazu, über die Ufer zu treten. Doch die Bürger standen zusammen und haben die Katastrophe gemeinsam gemeistert. „Die Hilfsbereitschaft untereinander, die durch die Hochwasser zum Vorschein kam, war einzigartig. Man ist zusammengestanden und hat gemeinsam angepackt. Nur deshalb sind jetzt die meisten Schäden schon weitestgehend behoben”, so Braun.

Mitarbeiter des Rathauses sorgten auch dafür, dass die Brennstoffzelle heute auf einem Podest sitzt, damit sie bei einem zukünftigen Hochwasser im gefluteten Keller keinen Schaden nimmt. Bisher war Klimawandel noch nicht wirklich greifbar geworden in der oberschwäbischen Gemeinde, doch spätestens jetzt nach den Hochwassern ist klar, dass die Zeit drängt, etwas zu verändern. „Nur ein weiterer Faktor, der uns darin bestärkt, dass es richtig ist, neue Technologien zu unterstützen und als Kommune voran der Zukunft entgegen zu gehen. Mit unserem Energieteam im Rücken und Erdgas Südwest als Partner an unserer Seite sind wir uns sicher, dass wir uns auch in den kommenden Jahren energetisch weiterentwickeln werden – und können deshalb ohne Sorgen in die (Energie-) Zukunft blicken.”

Quelle: Gemeindetag Baden-Württemberg

Redaktion: wyynot, Larissa Fritzenschaf