06.11.2018

„Aus tiefer Überzeugung heraus“ auf dem Weg in eine grüne Zukunft

LifeVERDE: Erdgas Südwest ist 2018 zum dritten Mal in Folge zum „Top Lokalversorger“ gekürt worden. Außerdem zählen Sie im Bereich Gas zu Deutschlands besten Regionalversorgern. Herzlichen Glückwunsch dazu! Was glauben Sie, war ausschlaggebend für diese Auszeichnungen?

Jenne: Diese Auszeichnungen werden vergeben an Energieversorger mit einem fairen Angebot an Preis und Service, einem Blick für die Region und einem zukunftsorientierten Umweltbewusstsein. All das leben wir bei Erdgas Südwest ganz bewusst, und zwar auf allen Ebenen. Wir stellen uns den Herausforderungen des sich verändernden Energiemarkts: Strukturen, Arbeitsabläufe, Produkte und Unternehmenspartnerschaften rücken dabei in den Blick und werden bei Bedarf angepasst. Viel Know-how im Bereich der erneuerbaren Energien gehört da natürlich mit dazu, immer auf dem neuesten Stand. Speziell im Bereich der grünen Gase bauen wir unsere Kompetenzen und unseren Marktanteil stetig aus. Das alles in Kombination mit motivierten Mitarbeitern ist ein tolles Gesamtpaket, welches wir unseren Kunden bieten können.

LifeVERDE: Stellen Sie uns Erdgas Südwest doch bitte einmal kurz vor.

Jenne: Wir sind ein Energiedienstleister, der sich fest vorgenommen hat, die Energiewende aktiv mitzugestalten und alles dafür zu tun, dass sie gelingt. Unseren Ursprung haben wir im Erdgasgeschäft. Inzwischen hat sich das grundlegend gewandelt, wir bieten jetzt neben Gas auch zunehmend Strom beziehungsweise Ökostrom sowie Wärme und energienahe Dienstleistungen an. Mit Produkten wie die „natürlichbrennstoffzelle“ bekommen die Kunden Strom, Wärme, Planung und Realisierung und den Fördermittelservice inklusive Abrechnung aus einer Hand. Bereits 2008 haben wir als eine der modernsten Biogasaufbereitungs- und -Einspeiseanlage in ganz Deutschland in Betrieb genommen. 2016 kam der erste große Solarpark mit 4,4 Megawatt hinzu. Schritt für Schritt haben wir uns immer mehr den erneuerbaren Energien zugewandt – aus tiefer Überzeugung heraus. Das spiegelt sich auch wieder in den Kooperationen und strategischen Partnerschaften, die wir über die Jahre aufgebaut haben. Im Jahr 2017 haben wir uns mit der bmp greengas GmbH in München ein starkes Unternehmen für die Vermarktung von Biomethan, also aufbereitetem Biogas, ins Boot geholt, wodurch wir einen enormen Kompetenzgewinn in diesem Bereich erlebt haben. Heute liegt bei uns der Absatz von Biomethan gleichauf mit dem Verkauf von Erdgas. Die Energiewende steht bei allen strategischen Überlegungen in unserem Hause an erster Stelle.

LifeVERDE: Was würden Sie sagen, was unterscheidet sie von anderen nachhaltigen Energieversorgern?

Jenne: Unsere enge Bindung an unser Hauptversorgungsgebiet, also die Regionen Nordbaden und Oberschwaben. Diese Regionalität ist ganz entscheidend. Man kennt sich sozusagen – das spüren auch die Kunden, für die wir nicht nur die Experten auf unserem Fachgebiet sind, sondern auch einfach jemand von nebenan. Das schafft Vertrauen und ist Grundlage für noch bessere Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren. Das wiederum ist eine Voraussetzung für noch besseren Service. Außerdem unterstützen wir mit unserer Initiative ProNatur gezielt Projekte innerhalb unserer Region, die mit Nachhaltigkeit, Biodiversität und Umwelt- und Artenschutz zu tun haben. Wir haben extra zwei Stellen für junge Erwachsene geschaffen, die ein freiwilliges ökologisches Jahr bei uns absolvieren und Umweltbildung schon für die Kleinsten in unserer Gesellschaft greifbar machen.

LifeVERDE: An wen richtet sich ihr Angebot an nachhaltiger Energie?

Jenne: Eigentlich an alle – Privathaushalte, Unternehmen und Städte und Gemeinden. Denn wenn wir in Deutschland die Energiewende ernst nehmen, kommen wir an den erneuerbaren Energien und intelligenten Energiesystemen ja auf keinen Fall vorbei. Wer sich im Rahmen eines Neubaus, einer kompletten Sanierung oder eines einfachen Heizungstausches für umweltschonende Varianten der Energieversorgung interessiert, bekommt bei uns fundiertes Fachwissen auch zu den neuesten Möglichkeiten, wie beispielsweise der Brennstoffzellenheizung. Neben den erneuerbaren Energien steht die Energieeffizienz im Fokus. Damit lässt sich nicht nur Geld sparen, sondern spart auch jede Menge CO2 ein.

LifeVERDE: Sie sagen man kann bei Erdgas Südwest zum Energie-Selbstversorger werden. Wie funktioniert das und welche Vorteile bringt das?

Jenne: Bei Erdgas Südwest nennen wir das „biotark“ – biologisch, mit möglichst viel erneuerbaren Energien, und autark, so unabhängig wie möglich. Der Vorteil ist, dass ein Großteil der verbrauchten Energie selbst erzeugt werden kann. Neben Photovoltaik spielt auch Kraft-Wärme-Kopplung eine große Rolle, wie beispielsweise bei der Brennstoffzelle. Mit dieser neuen Technologie kann gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt werden.  Die Gemeinde Maselheim im Landkreis Biberach hat sogar gleich zwei Brennstoffzellen eingebaut, je eine in Rathaus und Grundschule. Den traditionellen Nudelhersteller Tress haben wir mit einem genau auf ihn zugeschnittenes Energiekonzept auf dem Weg der CO2-freien Nudel begleitet. Nach der Realisierung wurden 70 Prozent des benötigten Stroms und 80 Prozent der Wärme direkt vor Ort produziert. Wichtig ist, dass die Lösung individuell auf den Kunden zugeschnitten ist.

LifeVERDE: Sie haben 2013 die unternehmenseigene Initiative ProNatur gestartet und die „BlühOase“ wurde ins Leben gerufen. Was steckt dahinter und welches Ziel verfolgen Sie damit?

Jenne: Der Gedanke ist entstanden, als wir unsere Biogasaufbereitungs- und Einspeiseanlage in Oberschwaben in Betrieb genommen haben. Wir hatten die Idee, einen runden Tisch einzuberufen, um Landwirte, die für uns produzieren, mit Naturschützern und Imkern zusammen zu bringen, damit die unterschiedlichen Interessen miteinander in Einklang kommen können. Es ging darum, die Biogasproduktion umweltfreundlicher zu gestalten. Aus ersten Projekten zugunsten der Artenvielfalt hat sich bald die Initiative entwickelt, in der auch die Mitarbeiter gezielt Naturschutzprojekte in der Region unterstützen. Mit dem Projekt Blühoase hat die Initiative mit Kooperationspartnern inzwischen fast 800.000 Quadratmeter Blühflächen für Bienen, Hummeln und Co. entstehen lassen. Nistkästen für Vögel, Baumpflanz- und Umsiedlungsaktionen seltener Eidechsenarten – es gibt immer neue Projekte, die wir ganz bewusst auswählen und umsetzen.

LifeVERDE: Wie leben sie in ihrem Unternehmen außerdem Nachhaltigkeit?

Jenne: Wir haben seit langem ein Umweltmanagementsystem und haben auch die WIN-Charta Baden-Württemberg unterzeichnet, mit der wir uns zu nachhaltigem Wirtschaften verpflichtet haben. In Ettlingen laufen derzeit Umbaumaßnahmen mit dem Ziel, unsere Zentrale so autark wie möglich zu gestalten. Blockheizkraftwerk und Brennstoffzelle und viel Photovoltaik werden dafür im Einsatz sein. Unser Verwaltungsgebäude in Munderkingen produziert bereits einen Großteil der benötigten Energie selbst. Auch in Sachen Mobilität wollen wir uns nachhaltig und technologieoffen aufstellen: wir betreiben eigene Erdgastankstellen und Elektroladesäulen.

LifeVERDE: Vor welchen Herausforderungen steht Erdgas Südwest aktuell?

Jenne: Die Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die gesamte Branche je stand. Prozesse verändern sich rasend schnell und müssen laufend angepasst werden. Parallel ist es für uns selbstverständlich, auch bei der technischen Entwicklung neuer innovativer Energielösungen immer vorne mit dabei zu sein, denn es erfordert große Investitionen, um die Klimaschutzziele zu erreichen - nicht nur seitens der Energieversorgungsunternehmen, sondern auch im privaten Bereich. Beim Strom machen erneuerbare Energien bereits rund 30 % aus. Betrachtet man den Wärmemarkt oder den Verkehrssektor, ist da vergleichsweise noch einiges zu tun. Die Energiewende ist eine Gesellschaftsaufgabe, für die wir begeistern und mobilisieren müssen.

LifeVERDE: Was glauben Sie, welche Rolle wird Erdgas bei der Umweltfreundlichen Energieversorgung der Zukunft spielen?

Jenne: Die Nachfrage nach Erdgas wird bis zum Jahr 2040 weltweit um 50 Prozent steigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Energieagentur IEA in ihrem „World Energy Outlook“. Auch die neuste Leitstudie der Deutschen Energieagentur kommt zu dem Schluss, dass wir einen technologie- und energieträgeroffenen Mix brauchen, um die Klimaschutzziele von Paris kostengünstig doch noch erreichen zu können. Erdgas ist sowohl zur Stromerzeugung als auch für Heizung und Transport einsetzbar, wo ein großer Teil Energieverbrauchs stattfindet. Grüne Gase werden das Erdgas sukzessive ersetzen müssen. Hier sind wir auf dem richtigen Weg.

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